Das Start-up schätzt für große Immobilienunternehmen den Wert von Objekten ab. Signa Innovation und Ventech buchen sich mit einem Millionenbetrag ein.

Man könnte annehmen, dass Titus Albrecht Luftsprünge macht angesichts des ungebrochenen Immobilien-Booms. Schließlich richtet sich sein B2B-Unternehmen mit einer Software an große Player der Branche. Doch der Markt ist überdreht – und nicht alle Entscheidungen werden rational gefällt. Für Realxdata ist das problematisch. Denn: Mit seinen nüchternen Analysen dringt das Start-up bei manchen Entscheidern kaum noch durch. Aktuell würden etwa erwartete Mieteinnahmen oft bewusst zu hoch angesetzt, um hohe Kaufpreise zu rechtfertigen, beobachtet der Gründer. „Für uns ist es interessanter, wenn die Akteure sich wieder auf valide Daten verlassen.“

Gegründet Ende 2016, ist Realxdata angetreten, Banken, Maklern, Eigentümern und Projektentwicklern Arbeit abnehmen: Kunden können zum einen für bestehende Immobilien bestimmen, ob Mieterhöhungen durchsetzbar sind und wie viel Geld ein Verkauf einbringen würde. Zum anderen können sie abschätzen lassen, ob sich ein Zukauf oder eine Investition in einen Neubau lohnt. Dazu analysiert das Start-up außer eigenen Kennzahlen des jeweiligen Unternehmens externe Marktdaten. Neben Zahlen zu Durchschnittsmieten, Leerstände und Kaufpreisen fließen auch statistische Daten wie die örtliche Kaufkraft oder die Arbeitslosenquote in die Analysen ein.

Cloud-Software statt Excel-Tabellen

Aktuell nutzen knapp 20 Kunden die Cloud-Software. Darunter sind Immobilienriesen wie der Makler Engel & Völkers, der Wohnungskonzern TAG Immobilien und der auf Gewerbeimmobilien spezialisierte Dienstleister Colliers. Geldhäuser wie die Aarealbank nutzen die Software bei der Kreditüberwachung. „Die manuelle Research-Arbeit und das Hantieren mit Excel-Tabellen fällt dadurch weg“, sagt Albrecht, der vor der Gründung als Investmentmanager bei Union Investment gearbeitet hat. Die Kunden zahlen für die Nutzung der Cloud-Software eine Abo-Gebühr, die individuell verhandelt wird.

Großes Potenzial in dem Geschäftsmodell sieht offenbar Signa Innovation: Der Wagniskapital-Arm der vom österreichischen Unternehmen René Benko gegründeten Signa Group hat gerade gemeinsam mit der französischen VC-Firma Ventech in das Start-up investiert. Laut Realxdata handelt es sich um einen „mittleren einstelligen Millionenbetrag“. Die Finanzierungsrunde folgt knapp anderthalb Jahre nachdem die Firmenschmiede Rheingau Founders und weitere Investoren eingestiegen waren. Damals kamen zwei Millionen Euro zusammen.

Niederlassung in Spanien

Das nun eingesammelte Kapital wollen Albrecht und seine drei Mitgründer Daniel Sprünker, Iñaki Merino und Stefan Nusche nutzen, um das derzeit 30-köpfige Team aufzustocken. Bis zu 20 neue Mitarbeiter sollen bis Ende des kommenden Jahres hinzukommen. Das Ziel: „Wir wollen über die Plattform verstärkt Vorhersagen über die Wertentwicklung von Immobilien treffen“, sagt Albrecht. In den Bereich tastet sich das Start-up bereits vor – und schätzt ab, in welchen Stadtteilen von Metropolen die Gentrifizierung um sich greift. Indikatoren dafür seien beispielsweise eine zunehmende Zahl von Cafés und Restaurants.

Der Personalzuwachs bei Realxdata dürfte sich vor allem auf Barcelona konzentrieren. Dort hat das Start-up seinen Forschungs- und Entwicklungs-Standort. Der Grund: „Uns gelingt es dort wesentlich besser, Fachkräfte für den Bereich Data Science zu finden“, sagt Albrecht. Alleine ist das Berliner Unternehmen damit nicht: Mit ähnlichen Argumenten sind beispielsweise auch der Online-Baumarkt ManoMano und das französiche HR-Start-up PayFit in Spanien vertreten. Den Hauptsitz dort hat neben anderen das Geschäftsreise-Start-up Travelperk. Von der wachsenden Bedeutung Barcelonas zeugt auch eine Studie von EY: Gemessen am Risikokapital steht Barcelona im Europa-Vergleich inzwischen an sechster Stelle.