Was meinen Sie mit Führungsstärke?

Es genügt jedenfalls nicht, dass die jungen Chefs mutmachende Reden halten. Sie müssen Einsichten produzieren, anstatt Rhetorik. Das heißt, die Mitarbeiter müssen wissen, worin genau sie kreativ sein dürfen und worin ihre Stärken liegen sollten. Damit meine ich nicht die idealistische Bombastik, also das reine Einpeitschen. Denn diese Fassade stürzt beim kleinsten Problem ein. Meiner Meinung nach muss eine kreative Atmosphäre im Start-up entstehen: Kein Designerzirkus, sondern Kreativität, die auf tiefem Verständnis des Geschäftsfeldes beruht. Das heißt aber auch: Wenn ein Gründerteam merkt, dass es dieses Verständnis nicht teilt, dann muss es sich eben teilen. Sonst riskieren die Unternehmer langfristig die Existenz ihrer Firma.

Letzlich suchen Start-ups ständig nach neuen Geschäftsmodellen. Wie kann aus philosophischem Denken Innovation entstehen?

Erstmal müssen Gründer sich selbst überzeugen, dass sich ihre Idee trägt. Sich selbst zu überzeugen, heißt, eine Vision zu haben – also eine Idee, die nur ich kenne. Diese Idee zu entfalten, sie rund zu machen, verlangt Konzentration. Denn das Risiko, sich zu verzetteln, ist enorm. Man muss mit einer Geschäftsidee eine Weile auf der Bahn bleiben und nicht direkt etwas ganz anderes denken. Das Gegenteil zu denken ist zwar ein Teil des Prozesses. Aber am besten ist: die Idee nur notieren, dann ablegen – sozusagen ins Unterbewusstsein.

Woher weiß ich, dass das nicht vielleicht die zündende Idee ist?

Es ist enorm wichtig, die scheinbar trivialste Frage zu stellen: Was bedeutet es für die Gesellschaft, dass genau dieses Produkt auf den Markt kommt? Die Antwort kann lauten, dass es sich nur um eine neue Variante handelt. Dann weiß man, dass das Produkt keine große Sinnhaftigkeit hat. Und vielleicht steht am Ende des Denkprozesses sogar die Erkenntnis, dass die Konkurrenz besser ist. Ich finde, das müssen Gründer aussprechen und verstehen können. Nur dann haben sie etwas gelernt für den nächsten Schritt. So eine Erkenntnis halte ich für hochkompetent und extrem mutig.

Das Scheitern immer vor Augen halten – wirkt das nicht eher lähmend?

Dauernd experimentell zu arbeiten, hält natürlich nicht jeder aus. Aber Gründer haben oft keine Angst vorm Risiko, sie leben sozusagen das Risiko. Das ist eine andere Weltsicht. Mit dem Start-up beginnt für sie ein Lebensweg, der enorm viel Energie freisetzt – selbst, wenn er scheitert. Häufig wird das Scheitern dann gar nicht mehr als Scheitern, sondern einfach als Erfahrung wahrgenommen. Darüber nachzudenken, gibt Stabilität: Das kann ich, das bin ich, ich kann Fehler verarbeiten.