Mit einer CSR-Software wollen die Berliner Gründer in weiteren europäischen Ländern angreifen. Zwei internationale Investoren legen dafür nach.

Um mit seiner Software für das Management von Nachhaltigkeitsthemen in Unternehmen weiter wachsen zu können, erhält das Berliner Start-up Quentic 15 Millionen Euro von Investoren. Geldgeber sind die Private-Equity-Gesellschaft One Peak Partners und die Beteiligungsgesellschaft Morgan Stanley Expansion Capital, hinter der die gleichnamige US-amerikanische Investmentbank steht. Zu den ersten institutionellen Investoren von Quentic gehörte nach eigenen Angaben der halbstaatliche Frühphaseninvestor High-Tech Gründerfonds – der die Beteiligung jetzt als „Teilexit“ in seinem Portfolio führt.

Geplant sei, die Präsenz in europäischen Ländern zu verstärken, kündigt Geschäftsführer Markus Becker in einer aktuellen Pressemitteilung an. „Mit dem frischen Kapital werden wir neue Niederlassungen in Europa gründen und unsere Software-Plattform produktspezifisch erweitern“, lässt sich Becker zitieren.

Tool für die Risikobewertung

Das 2007 gegründete Unternehmen entwickelt eine Software, die die Organisation und Überwachung von Nachhaltigkeits- und Arbeitsschutzvorschriften vereinfachen soll – darunter fallen auch Themen wie Riskobewertungen und -prüfungen, Kontrollen zu Gefahrstoffen, Legal Compliance und Umweltmanagement. Das Ziel von Quentic ist, die verantwortlichen Mitarbeiter der Firmenkunden im Browser oder in einer App miteinander zu vernetzen, die wichtigsten Daten und Dokumente auf einer Plattform zu erfassen und dadurch Arbeitsabläufe besser zu strukturieren.

Mit seinem Software-as-a-Service-Geschäftsmodell will sich das Start-up als zentrale Anlaufstelle bei CSR- („Corporate Social Responsiblity“) und HSE-Fragen („Health, Safety, Environment“) in Europa etablieren. „Durch die Akquisition des App-Anbieters NordSafety, die Eröffnung sechs weiterer Standorte und die Verdopplung unserer Mitarbeiterzahl auf über 200 haben wir unsere Marktposition deutlich ausgebaut“, so Geschäftsführer Becker laut Presseinformation. Zusammen mit COO Sebastian Mönnich und CTO Hardy Menzel konnte er nach eigenen Angaben bislang mehr als 600 Kunden gewinnen. Vertreten ist Quentic bereits in Österreich, der Schweiz, Belgien, Dänemark, den Niederlanden und Finnland.

Nachhaltigkeit als beliebtes Gründungsthema

Die Geldgeber sehen weiterhin großes Potenzial für Lösungen zum Umweltmanagement, insbesondere für die grenzüberschreitende Anwendung: „Vor allem der Bedarf an mobilen und global nutzbaren Software-Lösungen nimmt in allen Sektoren zu“, lässt sich David Klein, Managing Partner von One Peak Partners, zitieren. Bereits 2017 investierte die Beteiligungsgesellschaft zusammen mit Morgan Stanley Expansion Capital – damals flossen 22 Millionen Euro an Quentic.

Der Markt für CSR-Lösungen ist derzeit in Bewegung: So investierte Anfang des Jahres die GLS Bank erstmals direkt in ein Start-up und beteiligte sich an Sustainabill. Die Kölner arbeiten an einer Cloud-Lösung, die dabei helfen soll, globale Lieferketten zu überblicken. In Hamburg ist das Gründerteam hinter Tomorrow seit 2017 mit einer Smartphone-Bank aktiv, die mit einem nachhaltigen Girokonto für das Smartphone wirbt. Zur sogenannten Green Economy zählen inzwischen 26 Prozent der jungen innovativen Wachstumsunternehmen in Deutschland, wie eine Studie aus dem März zeigt.