Die Antriebssparte des britischen Konzerns übernimmt die Kontrolle bei dem Berliner Start-up. Dahinter steckt die Wette auf schwankende Spannungen in den Stromnetzen.

Ob Hotelanlage in Chile oder Stadtwerke in Münster: Die Stromspeicher-Lösungen des Berliner Start-ups Qinous sind bereits in den unterschiedlichsten Szenarien im Einsatz. In verschiedenen Größen – vom Gartenhaus-Format bis zum Überseecontainer – helfen sie dabei, Energie zwischenzuspeichern. Mit den vernetzten Batterien lässt sich etwa selbst produzierte Solarenergie für Nachtstunden zwischenparken. Zudem können die Speicherblöcke helfen, Spannungsschwankungen in Verteilnetzen auszugleichen. Neben der Hardware zählt dazu auch die Software, die den nötigen Ausgleich mit geringsten Zeitverzögerungen steuert.

Damit liefern die Berliner die Infrastruktur für eine neue Energiewelt. Je mehr erneuerbare Energien ins Stromnetz fließen, je mehr dezentrale Verbraucher und Erzeuger angeschlossen sind, so komplizierter wird es, das Netz stabil zu halten. Der Traditionskonzern Rolls-Royce übernimmt jetzt die Kontrolle bei Qinous – und sichert sich damit Technologie für diesen Zukunftsmarkt. Die Transaktion erinnert an einen millionenschweren Deal aus dem vergangenen Jahr: Da hatte der Energiekonzern Shell das bayerische Heimspeicher-Start-up Sonnen komplett übernommen.

Aufbau von Microgrids weltweit

Der Geschäftsbereichs Power Systems des britischen Unternehmens Rolls-Royce war bereits seit knapp eineinhalb Jahren mit 20 Prozent an dem Start-up beteiligt. Seit dieser Woche hält der Konzern nun knapp drei Viertel der Geschäftsanteile. Die Gründungsgesellschafter bleiben beteiligt, alle anderen Anteilseigner wurden herausgekauft – öffentlich bekannt wurde nur die halbstaatliche IBB Beteiligungsgesellschaft.

Die Kompetenzen von Qinous als junges Unternehmen mit Start-up-Charakter ergänzten sich ideal mit den industriellen Fähigkeiten von Rolls-Royce, sagt Andreas Schnell, Vorstandschef des Geschäftsbereichs Power Systems. Man habe gemeinsam bereits ein Angebot an Speicherlösungen erarbeitet, so Schell weiter: „Insbesondere bei dezentralen umweltfreundlichen Microgrid-Lösungen sehen wir große Marktpotenziale für eine nachhaltige Stromversorgung.“

Rolls-Royce hat in Deutschland unter anderem Standorte in Friedrichshafen, Ruhstorf und Augsburg – und ist hierzulande auch unter der Marke MTU Friedrichshafen bekannt. Jetzt sollen die 40 Mitarbeiter von Qinous dazustoßen. Die mehrheitliche Übernahme sei ein „logischer und konsequenter Schritt zur Erschließung des stark wachsenden Microgrid-Marktes“, sagt Qinous-Mitgründer Steffen Heinrich.