Mit einer sozialen Komponente arbeiten sich Start-ups in Supermarktregale vor. Das honorieren Konsumenten und auch Investoren: Purefood sammelt jetzt drei Millionen Euro ein.

Als Felix Leonhardt mit Anfang 20 sein eigenes Unternehmen an den Start brachte, trieben den jungen Gründer zwei Fragen um: Was wäre, wenn wir mit unserem Konsum anderen Menschen helfen könnten? Und: Können Nachhaltigkeit und soziales Engagement im Einzelhandel funktionieren? Heute, fünf Jahre später, lautet seine Antwort in beiden Fällen: Ja.

Mit Purefood und den Marken „Lycka“ und „Stark“ verkauft Leonhardt seit 2014 unter anderem Eis, Cold Brew und Power-Riegel – und spendet von jedem verkauftem Produkt einen festen Cent-Beitrag an ein Ernährungsprojekt in Burundi, mit dem beispielsweise eine Schulmahlzeit für Kinder finanziert wird. Sein Credo: Wir machen Lebensmittel, die mehr können als nur lecker.

Investoren kommen auf den Geschmack

Damit gehört das Hamburger Start-up zu der wachsenden Anzahl von Unternehmen, die ihre Produkte mit einem sozialen Mehrwert verknüpfen – und damit Erfolg bei den Konsumenten haben. Mit einem ähnlichen Ansatz ist etwa das Start-up Share unterwegs. Auf der Landwirtschaftsmesse Grüne Woche wurden im Frühjahr Start-ups ausgezeichnet, die bei ihren Produkten Umwelt und Produzenten besonders im Blick haben.

Solche Social-Start-ups arbeiten häufig durchaus gewinnorientiert. Durch die soziale Komponente wachsen sie jedoch oft etwas langsamer als andere Unternehmen. Das führt immer wieder zu Problemen, renditehungrige Risikokapitalgeber zu überzeugen.

Doch das ändert sich langsam. Purefood ist dafür ein gutes Beispiel. Das Start-up hatte in der Vergangenheit bereits ein Netzwerk aus Business Angels hinter sich versammelt. Jetzt konnte das Unternehmen zusätzlich den auf Start-ups aus dem Lebensmittel-Sektor spezialisierten Risikokapitalgeber Oyster Bay Growth Capital für sich gewinnen.

Neue Produkte für die Supermarktregale

Die eingeworbenen drei Millionen Euro fließen Purefood in zwei Tranchen zu und sollen die Produktentwicklung, Produktetablierung und in die Expansion in neue Märkte vorantreiben. Neben der finanziellen Unterstützung steht das Management von Oyster Bay mit seiner operativen Expertise zur Seite: „Wir werden weitere Sorten und Größen von Eis, Snacks und Granola machen sowie weitere Sorten von Proteinmüsli und Proteinporridge”, sagte Felix Leonhardt auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer. Aktuell bastle man zudem an neuen Produktkategorien – welche das sind, wollte er noch nicht verraten.

Den wichtigen Sprung in die Regale von großen Supermarktketten hat das Unternehmen bereits geschafft: Eigenen Angaben zufolge findet man Produkte des Start-ups bereits in über 5000 Supermärkten in den Kernmärkten Deutschland und Österreich, darunter Alnatura, Rewe, Rossmann, Kaufland und Spar Österreich. Denn auch die großen Handelsketten, die über Wohl und Wehe vieler Lebensmittel-Start-ups entscheiden, haben erkannt, dass ihren Kunden die Produkte mit einem gewissen sozialen Extra gut schmecken.