Der Münchner Wagniskapitalgeber Yabeo schließt zwei Online-Shops für Pflegeprodukte zusammen – profitieren sollen mehrere Start-ups.

Wachstum auf dem Pflegemarkt erhofft sich der Risikokapitalgeber Yabeo von einer Fusion seines Berliner Start-ups Commitmed mit dem Online-Versandhändler Prosenio aus Augsburg. Die beiden Unternehmen bestehen künftig als Commitmed weiter und treten unter dem Markennamen Prosenio-24 auf. Die Logistik werde von Augsburg aus gesteuert, welche Geschäftsbereiche nach Berlin umziehen, stehe noch nicht fest, sagte Geschäftsführer Christian Fleck heute im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Alle Mitarbeiter werden dem Prosenio-Gründer zufolge übernommen. Das Team aus derzeit 60 Personen soll in den kommenden Monaten unter der Leitung von Fleck und Ulli Papke deutlich wachsen.

Das 2011 gegründete Berliner Start-up Commitmed tritt unter anderem mit der Marke Pflegebox auf, hinter sich ein Online-Versandhändler für Hilfsmittel wie Handschuhe und Desinfektionsmittel verbirgt. Das Portal setzt auf Partnerschaften mit Pflegediensten, die über die Seite regelmäßige Lieferungen für ihre Patienten beziehen. Bislang konnte Commitmed nach eigenen Angaben 3.000 Partnerunternehmen aus dem Pflegebereich gewinnen. Seit dem vergangenen Jahr ist das Start-up in der Hand des Münchener Wachstumsfinanzierers Yabeo, der erstmals 2014 in die junge Firma investierte.

Die Fusion mit Prosenio aus Augsburg soll nun Anschub auf dem Endkundenmarkt leisten: Der 2009 gegründete Versandhändler richtet sich an ältere Menschen ab 65 Jahren, die als Pflegebedürftige selbst oder über ihre Angehörigen Hilfsmittel sowie medizinische Produkte für zuhause bestellen. Prosenio betreibt mehrere Online-Shops wie Aktivwelt, Hörhelfer und Sehhelfer – und bringt nach eigenen Angaben 200.000 Endkunden mit.

Digital-Ansprache der Senioren

Um die neue, gemeinsame Marke Prosenio-24 voranzubringen, will Geschäftsführer Christian Fleck verstärkt ins Marketing für die ältere Zielgruppe investieren. Er glaubt daran, Senioren vor allem über das Internet erreichen zu können: „Prosenio bringt die E-Commerce-Kompetenz mit. Da die Online-Affinität der Senioren zunimmt, gehen wir davon aus, dass wir über digitale Marketingkanäle stark Kunden gewinnen werden“, so Fleck. Die Ziele sind hoch gesteckt: In fünf Jahren sollen 500.000 Endkunden und 5.000 Pflegedienste gewonnen sein sowie der Umsatz bei mindestens 50 Millionen Euro liegen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Chancen auf Wachstum will auch Investor Yabeo nutzen und bündelt daher zunehmend seine Aktivitäten auf dem Pflegemarkt: Einen Umsatz im dreistelligen Millionenbereich visiert der Start-up-Finanzierer mit seinen gesamten Pflegeangeboten bis 2023 an. Prosenio-24 schafft die Basis: „Wir wollen der zentrale Ansprechpartner für die häufig überlasteten Pflegedienste sein und ihnen helfen, ihre Patienten bestmöglich zu versorgen und Abläufe effizienter zu gestalten“, sagte Firmengründer Fleck zu WirtschaftsWoche Gründer. Zum Beispiel will das Start-up die regelmäßige Versorgung mit Hilfsmitteln vereinfachen und den Pflegediensten Informationen zu Produkten und rechtlichen Fragen für die Beratung zusammenstellen.

Weitere Start-ups profitieren

Mit der gemeinsamen Pflege-Plattform erschließt Investor Yabeo auch Vorteile für seine anderen Investments: So wird der digitale Hausnotruf-Anbieter Libify an Prosenio-24 angedockt – erst im vergangenen Oktober beteiligte sich Yabeo als Hauptinvestor an einer Finanzierungsrunde des Münchener Start-ups über sechs Millionen Euro. „Nach dem Investment in Libify und dem Einstieg beim digitalen Pflegedienst Cera in UK ist diese Übernahme der nächste Schritt auf unserem Weg, im anspruchsvollen Senioren- und Pflegemarkt das führende Ökosystem aufzubauen“, lässt sich Matthias Sohler, Managing Director von Yabeo, in einer Pressemitteilung zitieren. Das britische Homecare-Start-up Cera, das Yabeo vor einem Jahr mit frischem Kapital ausstattete, will auch in Deutschland Fuß fassen.