Der Risikokapitalgeber legt seinen dritten Fonds auf – 180 Millionen Euro kommen von deutschen Unternehmen und amerikanischen Finanzinvestoren. Beim Fokus schärfen die Berliner noch einmal nach.

Die Gesamtwirtschaft trübt sich ein – die Start-up-Szene bleibt noch optimistisch. Während sich Großkonzerne und Mittelständler vielerorts auf eine Konjunktureinbruch vorbereiten, bleibt der Glaube an das Potenzial junger Digitalfirmen groß. Ein weiterer Beleg dafür kommt nun von dem in Berlin ansässigen Risikokapitalgeber Project A: Der Investor gab heute bekannt, seinen dritten Fonds aufgelegt zu haben. 180 Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren bereitstehen, um Start-ups in der Gründungsphase und auf den ersten Wachstumsschritten zu begleiten.

Über den Sommer hatten bereits zahlreiche andere Risikokapitalgeber hohe Millionensummen eingesammelt. Eventures vermeldete Anfang Juli 350 Millionen Euro, davor hatte Deutsche Telekom Capital Partners einen ähnlich großen Topf eröffnet. Nun macht sich auch Project A mit frischem Kapital auf die Suche nach vielversprechenden Start-ups.

Mit dem B2B-Fokus durch die Krise

Der Fokus ist dabei klar umrissen: Industrie 4.0, Digital Health, Fintech, Mobilität und Logistik sind die Felder, in denen der Investor nach möglichen Beteiligungen forschen will. In Deutschland und dem europäischen Ausland geht es dabei besonders um Start-ups, die sich mit ihren Produkten und Dienstleistungen an andere Unternehmen richten.

Mit diesem Ansatz will Project A auch den Auswirkungen möglicher Konjunktureintrübungen entkommen. „Die nahende Wirtschaftskrise könnte aus unserer Sicht vor allem die Start-ups treffen, die ihre Produkte direkt an Konsumenten vertreiben“, sagt Partner Florian Heinemann gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. Das Investorenteam glaube daran, dass Deutschland mit der stark industrienahen Wirtschaft den perfekten Nährboden für diese Modelle biete, so Heinemann weiter: „Daher sehen wir uns mit einem verstärkten Fokus auf B2B-Modelle gut aufgestellt“.

Interesse an Prozessoptimierern bleibt hoch

Die Rechnung könnte aufgehen: Viele der B2B-Start-ups – beispielsweise bestehende Project-A-Beteiligungen wie Laserhub oder Sennder – setzen darauf, die Effizienz in existierenden Geschäftsprozessen zu erhöhen. Gerade in Krisenzeiten könnten diese Start-ups daher von Unternehmen profitieren, die ihre Kosten senken müssen. Parallel könnte es in einer Krise auch zu kritischeren Verhandlungen über die Bewertung eines Digitalunternehmens kommen. Das könnte für Investoren den Einstieg in manchen Fällen sogar günstiger werden lassen.

Passende Argumente hat das Project-A-Team auf jeden Fall für die deutsche Wirtschaft gefunden. Denn von dort kommt ein Großteil der 180 Millionen Euro. Geldgeber für den dritten Fonds sind Unternehmen wie Otto, Axel Springer, Bitburger oder Oetker. Auch die Körber AG und Deichmann stellen Kapital zur Verfügung. Zudem beteiligen sich US-Investoren wie Top Tier Capital Partners.