Das Wiener Unternehmen will Start-ups und Privatinvestoren zusammenbringen – und sich dabei von Crowdinvestment-Plattformen abheben.

Zusammen mehr als acht Millionen Euro für 18 österreichische Start-ups: Das ist die bisherige Bilanz von Primecrowd. Gegründet im Dezember 2015, bringt das Wiener Unternehmen Privatinvestoren und junge Unternehmen mit Kapitalbedarf zusammen. Nun wagt das Netzwerk den Sprung über die Grenze – und hat ein neues Büro in München eröffnet, um den deutschen Markt zu erschließen.

„Gerade für Erstinvestoren ist es wichtig, dass sie professionell begleitet werden“, sagt Svenja Lassen. Die frühere Journalistin und Business Coachin leitet das Münchener Büro zusammen mit Tina Umbach, die zuvor unter anderem als Beraterin gearbeitet und mit Stilrad ein eigenes Unternehmen gegründet hat. Ab einem Betrag von 10.000 Euro können Privatpersonen bei Primecrowd investieren – das Netzwerk bündelt kleinere Beträge mehrerer Geldgeber. Auch Inkubatoren, Acceleratoren und professionelle VC-Firmen sind willkommen.

Persönlicher Kontakt

Primecrowd will sich aber nicht als weitere Crowdinvestment-Plattformen verstehen. „Der wichtigste Unterschied ist, dass wir sowohl mit Investoren als auch Start-ups persönlich in Kontakt treten, sie prüfen und auswählen“, sagt Lassen. Beide Seiten sollen sich vor einem Deal kennenlernen – und Start-ups können vorgeschlagene Investoren auch ablehnen. Plattformen wie Companisto, Kapilendo oder Seedmatch setzen dagegen auf eine Online-Vermittlung. In der Regel sind dort zudem auch deutlich kleinere Investments möglich.

Die Vermittlungsarbeit ähnelt damit eher derer staatlicher Netzwerke wie BayStartUP. Als privates Unternehmen will Primecrowd aber Geld verdienen. Das geschieht über Provisionen: Bei einer erfolgreichen Vermittlung kassiert das Netzwerk 7,5 Prozent der Investmentsumme. Kapitalgeber zahlen erst bei einem Exit mit Faktor drei, also einer Bewertung, die mindestens drei Mal so hoch ist wie beim Einstieg. Investoren wie Gründern verspricht Primecrowd dafür eine umfassende Unterstützung. „Wir begleiten Start-ups auch nach der Finanzierungsrunde weiter – etwa indem wir Kunden vermitteln“, sagt Lassen.

Finanzierungsrunden bis 1,5 Millionen Euro

Bislang hat Primecrowd 1.000 Investoren in der Datenbank – darunter sind laut Lassen bereits etwa hundert aus Deutschland. Erfahrene Geldgeber, die mehr als 50.000 Euro investieren, entscheiden darüber, welche Start-ups in die engere Auswahl kommen. Die können auf Finanzierungen zwischen 100.000 und 1,5 Millionen Euro hoffen. Im Fokus stehen junge Technologieunternehmen.

Gegründet wurde Primecrowd vom Unternehmer und Business Angel Markus Kainz nach dem Vorbild des israelischen Netzwerks OurCrowd. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 16 Mitarbeiter und hatte für die Expansion im November selbst eine Million Euro von 22 neuen Gesellschaftern bekommen.