Bei der Stiftung Warentest hieß es jedoch: „Sicherheits-Funktionen wie die Zwei-Faktor-Authentifizierung realisiert auch Posteo über ein via Handy übertragenes Einmalpasswort. Einzige Lösung, um anonym zu bleiben: eine im Ausland gekaufte, nicht personalisierte Guthabenkarte fürs Handy.“ Der genannte E-Mail-Dienst kritisiert: „Die Redaktion hat schlicht das für die Zwei-Faktor-Authentifizierung bei Posteo verwendete TOTP-Verfahren nicht verstanden.“

Dass Posteo die Fehler so öffentlich in seinen Blogeinträgen anprangert, liegt auch an der Reaktion der Kunden. „In den ersten Tagen nach der Veröffentlichung des Artikels haben wir sehr viele E-Mails von Kunden bekommen, die verunsichert waren“, sagt Löhr. „Das war für uns schwierig – die Verbraucher vertrauen natürlich erstmals der Stiftung Warentest.“ Das Unternehmen wehrte sich mit seinen Blogeinträgen gegen den Beitrag und listete die Fehler des Textes auf. Von der Stiftung Warentest verlangte das Start-up eine Richtigstellung.

Mehr Aufklärung via Facebook und Twitter gewünscht

Und die reagierte – nicht erst in der neuen Ausgabe: Sie korrigierte den Artikel nicht nur und stellte ihn kostenfrei auf die Internetseite, sie stoppte auf den Verkauf der restlichen Auflage am 30. Januar. Auch der Titel lautet nun anders: „E-Mail-Dienste sehen alles“ steht nun in der Überschrift. Und die Stiftung lud die Gründer von Posteo zum persönlichen Gespräch ein.

Posteo erschien zwar zu dem Gespräch und hörte sich das Bedauern der Stiftung Warentest an. Doch dem E-Mail-Dienst reicht das nicht. Sabrina Löhr wünscht sich von der Stiftung Warentest auch über die sozialen Kanäle wie Facebook und Twitter einen deutlichen Hinweis darauf, dass in dem Artikel Fehler enthalten waren.

Der Anbieter findet die Bewertungskriterien intransparent. Der andere Testsieger habe zum Beispiel ein Doppel-Plus in dem Bereich Verschlüsselung bekommen. Doch die Bewertung sei aufgrund falscher Annahmen – eben der vollständigen Verschlüsselung des Postfachs – zustande gekommen. „Dass dieses Kriterium das Ausschlaggebende in der Bewertung war, haben wir zum einen schriftlich bestätigt bekommen“, so Löhr. Im Artikel seien diese Annahmen korrigiert worden – die Urteile jedoch nicht angepasst.