Das Start-up nutzt Künstliche Intelligenz, um Pflanzenkrankheiten zu erkennen. Mit neuen Investoren wollen die Gründer weiter internationalisieren.

Am Firmensitz in Berlin trifft man Simone Strey derzeit eher selten an – die Geschäftsführerin von Peat zieht es geschäftlich immer wieder nach Asien. Gerade erst hat sie die App ihres Unternehmens auf einer Konferenz in Singapur vorgestellt, in Ländern wie Indonesien und Vietnam vermutet sie großes Wachstumspotenzial. Und aktuell kommen 80 Prozent der über einer Millionen Nutzer von Plantix – so der Name der App – aus Indien. „Unsere Märkte sind dort, wo es eine hohe Smartphone-Dichte auf dem Land und viele Kleinbauern gibt“, sagt Strey.

Plantix hilft Landwirten, Pflanzenkrankheiten und Schädlinge zu erkennen – und rechtzeitig gegenzusteuern, bevor Ernten verloren gehen. Die Nutzer machen dazu ein Foto der Pflanze, die krank aussieht, etwa weil die Blätter fleckig sind. Die App gleicht das Bild dann mit einer Datenbank ab, die aus mittlerweile 20 Millionen Fotos besteht. Auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierende Algorithmen liefern dann automatisch einen Befund zurück, außerdem erhält der Nutzer Tipps zur Behandlung. Weiß die Software nicht weiter, helfen Experten.

Das Start-up gibt an, mittlerweile 50 Nutzpflanzen und über 500 Krankheitsbilder beziehungsweise Schädlinge mit hoher Treffsicherheit identifizieren zu können. „Insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern können mit unserer App Ernteausfälle drastisch reduziert, der Pestizideinsatz minimiert und die Rentabilität der Landwirtschaft gesteigert werden“, sagt Strey.

 Investment von 6,6 Millionen Euro

Gegründet 2011 in Hannover, hat das Start-up nun einen wichtigen Meilenstein erreicht: Gerade wurde eine Finanzierungsrunde über 6,6 Millionen Euro abgeschlossen. Neu im Kreis der Gesellschafter ist nun RTP Global. Der russische Frühphaseninvestor ist in Deutschland bisher unter anderem an Coachhub und am Kundenservice-Automatisierer E-Bot7 beteiligt. Auch die Londoner Wagniskapitalfirma Piton Capital sowie die Bestandsinverstoren Atlantic Labs und Index Ventures waren an der Finanzierungsrunde von Peat beteiligt.

Das Start-up steht nun vor der Herausforderung, ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Denn für die Landwirte ist die App kostenlos – und soll es nach dem Willen der Gründerin auch bleiben. Strey spricht nun davon „Farmer, Händler und Corporates miteinander zu vernetzen“. Denkbar sei etwa, dass über die Plattform Versicherungen ihre Dienstleistungen anbieten. Auch Provisionen von Händlern oder Pestizid-Herstellern könnten Einnahmen bringen.

Um Unabhängigkeit bemüht

Konkrete Pläne will Strey aktuell noch nicht nennen. Schon jetzt zeichnet sich aber ab, dass das Start-up vor einem schwierigen Spagat steht. Denn: Plantix verspricht den Nutzern, sie unabhängig zu beraten und ihnen immer auch traditionelle Methoden aufzuzeigen, um Krankheiten oder Schädlinge zu bekämpfen. Macht sich Peat finanziell zu sehr von Konzernen wie Bayer, Syngenta oder BASF abhängig, droht ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Vorerst hat die Finanzierungsrunde dem Unternehmen aber Zeit verschafft. „Wir sind froh, ausschließlich wachstumsorientierte Wagniskapitalfirmen als Investoren zu haben“, sagt Strey. Außer im asiatisch-pazifischen Raum will sie nun auch die Präsenz in Indien weiter ausbauen. Bisher beschäftigt das Start-up dort 15 Mitarbeiter in drei Städten, hinzu kommen 30 in Berlin.