Die Gründer wollen mit Festpreisen und Direktverbindungen punkten. Auf dem Fernbus-Markt mischt neuerdings auch Blablacar mit.

Es kommt wieder Bewegung in den vor sechs Jahren geöffneten Fernbus-Markt: Gerade erst ist der französische Mitfahrdienst Blablacar mit Kampfpreisen in Deutschland gestartet, seit gestern rollt nun Pinkbus durch die Republik. Vom übermächtigen Konkurrenten Flixbus, der nach vielen Zukäufen unangefochtener Branchenprimus ist, will sich das Kölner Start-up deutlich abheben. Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale: Unabhängig vom Buchungszeitpunkt gilt ein Festpreis – und angeboten werden Direktverbindungen ohne Halt in anderen Städten. Stoppen sollen die pinken Busse nur an Autobahnraststätten für die vorgeschriebenen Fahrtpausen.

„Weil es bei uns keine versteckten Stopps an Zwischenhaltestellen gibt, sind wir deutlich schneller“, verspricht Christian Höber im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Der 32-Jährige hat Pinkbus Ende April zusammen mit Tino Engelmann (33) gegründet. Bei der Konkurrenz seien nicht immer alle Zwischenstopps bei der Buchung ersichtlich und es komme oft zu Verspätungen, sagt Höber. „Es gibt Viele, die sich nach negativen Erfahrungen von Fernbussen abgewendet haben, und die wir als Kunden gewinnen wollen.“ Angeboten werden zum Start Verbindungen zwischen Düsseldorf, München und Berlin – die Tickets kosten inklusive Reservierung, Gepäck und Wlan je 25 Euro.

Subunternehmen halten Anteile

Die Flotte besteht aktuell aus sieben doppelstöckigen Bussen, wovon einer als Reservefahrzeug dient. Die regulären Busse gehören – hier ähnelt das Modell Flixbus – den Busunternehmen, mit denen die Plattform zusammenarbeitet. Ein Unterschied zum Platzhirsch: Höber und Engelmann haben ihre Subunternehmen an ihrer Firma beteiligt. „Unsere Partner partizipieren so direkt an unserem Erfolg“, sagt Höber. „Viele sind dafür dankbar, dass es auf dem Markt einen neuen Anbieter gibt.“

Höber selbst kennt die Perspektive des Busunternehmers gut: 2013 baute er in Paderborn eine eigene Firma für den Linienverkehr im ÖPNV auf. Auch sein Vater betreibt ein Bus-Reiseunternehmen, das seit 2015 auch für Flixbus fährt. Pinkbus-Mitgründer Engelmann ist nach eigenem Bekunden „kompletter Quereinsteiger im Mobilitätsmarkt“, der Medieninformatiker hatte bei Digitalagenturen und als Freelancer im Bereich User Experience gearbeitet. Das Pinkbus-Team insgesamt umfasst 18 feste und freie Mitarbeiter.

Starke Konkurrenz

Geht es nach den Gründern, wird das Unternehmen schnell wachsen – und das Streckennetz bald erweitern. Dafür ist das Start-up nun auf der Suche nach finanzkräftigen Wagniskapitalgebern. Bisher seien neben den Subunternehmen mehrere Business Angels am Unternehmen beteiligt, so Höber. Dass Blablacar fast zeitgleich gestartet ist, hält er für keinen Nachteil: „Deren Geschäftsmodell ist aus Kundensicht genauso problematisch wie das von Flixbus.“ Außer mit Festpreisen und Direktverbindungen will Pinkbus im Wettbewerb auch mit Details punkten: So können etwa die Plätze für Rollstuhlfahrer direkt online gebucht werden.

Riskant ist die Unternehmung der Newcomer dennoch. Vor allem für die Verbindung zwischen dem Rheinland und Berlin ist die Konkurrenz groß. Außer für Fernbusse lassen sich teils auch sehr günstige Tickets für Billigflieger oder die Bahn ergattern, zumal auf der Strecke seit Ende Mai auch Flixbus mit Zügen unterwegs ist. Das Unternehmen dürfte der Attacke gelassen entgegensehen. Man sei „einen harten Wettbewerb gewohnt“ und könne bei Bedarf schnell und flexibel reagieren, sagte FlixMobility-Chef André Schwämmlein der WirtschaftsWoche, als der Markteintritt von Blablacar bekannt wurde.