Kann man davon ausgehen, dass Lovoo, Ashley Madison und Co. Nutzer intensiver tracken, als es der Datenschutz erlaubt, um mit Fake-Profilen Kasse zu machen?
Natürlich müssen sie davon ausgehen, dass ihre Kundendaten bei einem Unternehmen, das vor kriminellen Mitteln nicht zurückschreckt, nicht besonders pfleglich und zurückhaltend behandelt werden. Bei Ashley Madison war es ja wohl gerade dieser Umgang mit Kundendaten, der zum Hack geführt hat. Doch während bei gezielter Werbung die Kenntnis vom Nutzer wichtig ist, scheint mir das bei Datingportalen nicht im Vordergrund zu stehen. Die Betreiber wissen doch schon, dass sich zu viele männliche User angemeldet haben.

Können sich betrogene Nutzer rechtlich wehren?
Natürlich. Allerdings ist der Aufwand groß, um einige hundert Euro wiederzubekommen. Solange es in Deutschland keinen Strafschadensersatz und keine Sammelklagen gibt, wird der Betrug am Verbraucher zumindest finanziell mit vergleichsweise geringen Risiken belastet sein. Ich persönlich rate den Betroffenen allerdings dazu, sich rechtlich zu wehren und ein Zeichen zu setzen, dass Betrüger mit solchen Methoden nicht durchkommen werden. Ich bin mir aber auch bewusst, dass dieser Ruf nach Gerechtigkeit im Wesentlichen ungehört verhallen wird.

Was müssten Dating-Portale tun, um aus dem Sumpf wieder rauszukommen und das Vertrauen – potentieller – Nutzer zurückzugewinnen?
Ich hätte da so einige Ideen, die allerdings nicht in die Businesspläne von exitgetriebenen Start-ups passen. Ich finde, dass zumindest einige Marktteilnehmer durchaus einen passablen Job machen. Fake-Profile sind natürlich unzumutbar aber auch unausrottbar. In Zukunft erwarte ich jedoch Angebote, die Social Media stärker und nahtlos integrieren, die ihren Kunden auch gleich etwas Persönlichkeitsberatung verpassen und reale Dating-Events und Reisen organisieren. Ansätze dafür gibt es bereits, allerdings ist das noch nichts für die breite Masse.

Die Crux für all die einsamen Seelen liegt doch darin, dass es so schwer ist, mit sympathischen Leuten ins Gespräch zu kommen. Das klappt online aber genau so selten wie offline, von daher erwarte ich keine Wunder. Die Welt der Kontaktanbahnung wird sich trotz aller Skandale und Problem nicht in Sprüngen verändern. Wohl dem, der nicht auf sie angewiesen ist.