Eine hohe Hürde – aber das Team plant vom Start weg mit sechseinhalb festen Stellen in ihrer Redaktion in Münster. Ganz oder gar nicht. Wer mit den Gründern redet, hört selten das Wort „vielleicht“. Sie können rechnen, sie haben einen Businessplan – das unterscheidet sie von vielen gelernten Journalisten, die gründen.

Eine feste Redaktion muss sein

Eine straffe Struktur sei nötig, sagt Urner und ein Beispiel gibt ihr Recht: Krautreporter. Das ebenfalls per Crowdfunding gestartete Portal sammelte mehr als 900.000 Euro, wollte sich als Autorennetzwerk etablieren und wäre daran beinahe gescheitert. „Bei Krautreporter fehlte die gemeinsame Vision – nur gemeinsam frei sein wollen ist nicht genug“, meint Langeslag auch mit Blick auf seine niederländische Heimat: Das Krautreporter-Vorbild De Correspondent beschäftigt mehr als ein Dutzend Journalisten in Vollzeit und hält sich seit zweieinhalb Jahren erfolgreich am Markt.

Das Perspective-Daily-Team hat neben der kompromisslosen Organisation einen klaren inhaltlichen Kurs: Aus jedem ihrer Artikel sollen Leser etwas lernen, einen Gedanken in die Tat umsetzen können. Dafür suchen sie externe Autoren, auch Wissenschaftler und Mitarbeiter von Stiftungen.

Es soll um EU-Politik gehen, Technologie und Flüchtlinge: In den Themen ihrer Artikel wollen sie sich keine Grenzen setzen. Die Gründer sind bereit, sich für einen geringen Verdienst aufzuopfern. Ihr größter Lohn wäre, wenn sich Perspective Daily etabliere, sagt Urner: „Mir geht es um den Impact. Ich will etwas tun, das Relevanz hat, das etwas in der Gesellschaft bewegt.“

Piqd hat keine Geldsorgen

Frederik Fischer, Gründer von Piqd. (Foto: PR/Piqd)

Frederik Fischer, Chefredakteur von Piqd.
(Foto: PR/Piqd)

Das Wort „Impact“ nimmt auch Frederik Fischer in den Mund, er ist Chefredakteur von Piqd und sagt: „Unser Return-on-Invest ist der Impact, den wir erzeugen.“ Übersetzt bedeutet das: Fischer will mit Piqd Aufmerksamkeit erzeugen, aber gerade noch kein Geld verdienen – und das muss er auch nicht. Er und Geschäftsführer Marcus von Jordan haben freie Hand. Alle Ausgaben zahlt Konrad Schwingenstein, dessen Familie einmal ein Teil der „Süddeutschen Zeitung“ gehörte und der auch die Journalistenplattform Torial mitfinanziert, bei der von Jordan wiederum Redaktionsleiter ist.

Piqd soll eine Schneise durch den Urwald digitaler Informationen schlagen. In mehreren Themengebieten, darunter „Politik & Netz“ und „Feminismen“, empfehlen jeweils mehrere Experten die aktuell lesenswertesten Texte und schreiben gleich dazu, warum man sie nicht verpassen sollte. Die Experten bekommen 500 Euro monatlich, sofern sie wenigstens drei „Piqs“, also Empfehlungen, pro Woche machen.