Die Münchener entwickeln Software, die die Personalarbeit erleichtern soll. Aus Madrid kommt jetzt eine Lohnbuchhaltungs-Sparte dazu – zu einer zweistelligen Millionenbewertung.

Software-Zuwachs aus Spanien: Das Münchener Start-up Personio, das ein „HR-Betriebsystem“ für die digitalere Arbeit von Personalabteilungen entwickelt, hat das junge Unternehmen Rollbox aus Madrid übernommen. Damit erweitert Personio seine Geschäft sowohl inhaltlich als auch regional.

Die Übernahme erfolgt zu einer nicht weiter definierten Bewertung im zweistelligen Millionenbereich – realistisch dürfte eine niedrige achtstellige Summe sein. Im Januar hatte das deutsche Unternehmen eine Finanzierungsrunde über 35 Millionen Euro abgeschlossen. Das Geld fließt zudem nicht komplett in Bar: Einige der Rollbox-Investoren überschrieben nach Angaben des Start-ups ihre Anteile auf Personio, andere ließen sich auszahlen. Die beiden Rollbox-Gründer Xavi Leal und Ismael Sanchez werden ebenfalls zur Personio-Gesellschaftern und gehören nun zum Führungsteam der Münchener.

Schnittstellen zu den Steuerbehörden

Mit der Übernahme erweitert Personio sein Portfolio. Schon heute will das Start-up möglichst viele Bereiche der Personalarbeit in Unternehmen abdecken. Im Angebot sind Module vom Recruiting über das Onboarding bis zur eigentlichen Verwaltung. Die Lohn- und Gehaltsabrechung war als grundlegendes Angebot bereits dabei – durch den Zukauf wird vor allem die technische Seite optimiert.

Die Spanier, die 2016 gestartet waren, automatisieren im Hintergrund die Berechnung des Gehalts und übertragen die Daten über Schnittstellen auch in Banküberweisungen und Steuerbescheinigungen. Bislang ist die Software angepasst an gesetzliche Vorgaben in Spanien, Deutschland und Großbritannien. Mit Rollbox hatte Personio nach eigenen Angaben bereits seit einiger Zeit kooperiert.

Für andere Bereiche fokussiert Personio-Mitgründer Hanno Renner weiter auf ein Marktplatzmodell, um viele verschiedene Anbieter anzudocken. Der Zukauf bei der Lohnabrechnung war ein strategischer Sonderfall: „Da steckten wir schon tief mit drin in der Entwicklung – und das Thema zieht sich über fast alle Bereiche“, sagt Renner gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. So entstehen vom Onboarding bis zur Boni-Berechnung in den Personio-Bestandteilen bereits relevante Daten für die Gehaltsabrechnung.

Zukauf ebnet den Weg für eine europäische Expansion

Was das Kundensegment angeht, hat sich Personio eine genaue Zielgruppe zurechtgelegt: Im Fokus stehen kleine und mittelständische Unternehmen zwischen 10 und 2000 Mitarbeitern. Als Referenzkunden nennt das Start-up etwa Digitalunternehmen wie Freeletics oder Hellofresh, auch in den traditionellen Branchen will Personio punkten. Nach eigenen Angaben hat das 2015 gegründete Unternehmen über 1500 Kunden. Um die IT-Etats größerer Konzerne buhlen dagegen zahlreiche andere Software-Anbieter wie Cornerstone on Demand oder Workday.

Zur Finanzierungsrunde im Januar hatte Mitgründer Renner auch angekündigt, in diesem Jahr europaweit zu wachsen. Bislang wird Personio nur im deutschen Sprachraum aktiv vertrieben. Jetzt ist die Strategie einen Schritt weiter: Vier europäische Länder sollen in diesem Jahr dazukommen – Spanien wird darunter sein, berichtet Renner: „Die Übernahme ist für uns spannend, weil sie uns helfen wird, sich in Europa auszubreiten.“ Das bisherige Rollbox-Büro mit aktuell 25 Mitarbeitern soll erhalten und sogar ausgebaut werden.