Das Fintech gewinnt zwei Wagniskapitalfonds von Banken als Investoren – und arbeitet mit Hochdruck daran, Kunden durch die Krise zu helfen.

Während Banken weltweit infolge der Corona-Pandemie in den Krisenmodus schalten, überrascht die auf kleine und mittlere Unternehmen spezialisierte Digitalbank Penta mit einer Finanzierungsmeldung: 18,5 Milliarden Euro hat das Berliner Start-up gerade eingesammelt. Unter den Geldgebern sind zwei Player aus der Finanzbranche – zum einen der Wagniskapitalarm der niederländischen Großbank ABN Amro und zum anderen VR Ventures. An dem von der Berliner Volksbank initiierten Fonds sind acht weitere Genossenschaftsbanken und die Ideal Lebensversicherung beteiligt.

Eingetütet worden sei der Deal bereits vor den aktuellen Turbulenzen an den Finanzmärkten, sagt Penta-Chef Marko Wenthin. „Wir und unsere Investoren wollen mit der Mitteilung aber auch ein Zeichen setzen. Es wäre ein verheerendes Signal, wenn sich Investoren jetzt komplett zurückziehen.“ Neu als Gesellschafter eingestiegen ist auch der russische Wagniskapitalgeber RTP Global, der seinerseits kürzlich erst einen 650 Millionen Dollar schweren Fonds geschossen hatte. Geld nachgeschossen haben bei Penta zudem die Bestandsinvestoren HV Holtzbrinck Ventures und Finleap.

Der Berliner Company Builder, der auf Finanz-Start-ups (Fintechs) spezialisiert ist, war vor einem Jahr bei Penta eingestiegen und ist seither größter Anteilseigner. Unter dessen Führung war Penta auch mit der Finleap-Gründung Beesy aus Italien verschmolzen worden. Außerdem wurde Wenthin, ehemaliger Manager der Deutschen Bank und Mitgründer der Solarisbank, zum CEO ernannt. Penta-Mitgründer Luka Ivicevic blieb – anders als sein Kompagnon Lav Odorovic – an Bord.

Wachsender Wettbewerb

Gestartet war Penta mit Geschäftskonten, die sich durch komplett digitale Prozesse von denen großer Banken unterscheiden sollen. Das Fintech wurde deswegen oft als „N26 für Unternehmen“ bezeichnet. Inzwischen bietet Penta über seine Plattform aber auch umfangreiche Buchhaltungs- und Spesenabrechnungsfunktionen an. Zudem hilft das Fintech Gründern bei Anmeldung ihrer UG oder GmbH und bietet über Kooperationen weitere Finanzdienstleistungen an.

Damit schlägt das 2017 gegründete Unternehmen einen ähnlichen Weg wie Kontist ein. Das Fintech, das sich auf Freiberufler spezialisiert hat, bietet Anbindungen zu Buchhaltungsplattformen und unterstützt etwa bei der Steuer. Wie Penta auf kleine Unternehmen zielt auch die französische Digitalbank Qonto, die gerade nach Deutschland drängt. Zu den Nachahmern gehört inzwischen auch die Deutsche Bank mit ihrem Angebot Fyrst.

Breites Angebot als Rezessions-Schutz

Druck machen derzeit auch mehrere europäische Start-ups, die mit Firmenkreditkarten und digitalen Spesenabrechnungen auf den Markt drängen. Dazu gehören etwa Pleo aus Dänemark sowie Spendesk aus Frankreich. Gerade hat zudem das bulgarische Start-up Payhawk angekündigt, ein Büro in Berlin zu eröffnen – neu unter den Investoren dort ist der deutsche Frühphaseninvestor Early Bird.

„Es ist nachvollziehbar, dass viele Wettbewerber mit einem spitzen Geschäftsmodell loslegen“, sagt Wenthin. „Gerade kleine Unternehmen wünschen sich aber viele Dienstleistungen aus einer Hand.“ Auch wirtschaftlich sieht er sein Unternehmen dank des breiten Portfolios im Vorteil: So komme gerade beispielsweise Spesenabrechnungs-Geschäft zum Erliegen. „Wenn man das gesamte Umfeld abbilden kann, ist man wesentlich widerstandsfähiger.“

Eine Rezession, die unter Volkswirten inzwischen als ausgemacht gilt, dürfte indes auch an Penta nicht spurlos vorbeigehen. Ob das Fintech seine Kundenzahl wie geplant in den kommenden Monaten verdoppeln kann, sei im jetzigen Marktumfeld schlechter einzuschätzen, räumt Wenthin ein. Derzeit zählt Penta eigenen Angaben zufolge 17.000 Unternehmen mit im Schnitt zwei bis 50 Mitarbeitern als Kunden. Auch Internationalisierungspläne will der CEO vorerst hinten anstellen.

Digitale Anträge auf Staatshilfen

Aktuell legt das Start-up den Fokus stattdessen darauf, seinen Kunden durch die Corona-Krise zu helfen. Auf einer Unterseite zu seiner Homepage hat Penta bereits Informationen zu KfW-Krediten, staatlichen Soforthilfen und Angeboten der Bürgschaftsbanken zusammengetragen. Im Hintergrund arbeitet das 90-köpfige Team daran, dass die angekündigten Staatskredite digital beantragt werden können.

„Wir wollen eine Brücke zu dem Rettungsschirm und den tausenden Unternehmen sein, die aktuell noch nicht wissen, wie sie Hilfen beantragen können“, sagt Wenthin. Dazu führe Penta unter anderem Gespräche mit der KfW, den Bürgschaftsbanken sowie den Volks- und Raiffeisenbanken. Das Start-up hat zudem gerade eine Petition initiiert, in der die Bundesregierung zu einer Ausweitung der Soforthilfen speziell für kleine Unternehmen, Start-ups, Freiberufler und Selbständige aufgefordert wird.