Das Start-up ist aus einem Inkubator-Programm des Maschinenbauers hervorgegangen. Die Software soll aber auch anderen Unternehmen helfen.

Coachings, Schulungen, E-Learning-Apps, Trainings am Arbeitsplatz: Unternehmen sehen sich einer breiten Palette an Weiterbildungsangeboten gegenüber. Doch was passt am besten zu welchem Mitarbeiter? Lösen will diese Frage Peers Solutions – mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI). Das Stuttgarter Start-up ermittelt bei Unternehmen Qualifikationen von Mitarbeitern, Entwicklungsziele sowie zeitliche und finanzielle Budgets. Algorithmen gleichen die Vorgaben dann in einer Datenbank ab, um passende Angebote zu ermitteln und individuelle Programme zusammenzustellen. „Unsere Plattform hilft Unternehmen bei der Steuerung der Weiterbildung“, sagt Gründerin Elisa Hertzler.

Obgleich die Cloud-Software noch in einer sehr frühen Phase ist, hat das Start-up nun bereits ein namhaftes Familienunternehmen als Investor gewonnen: Zusammen mit First Momentum Venture aus Karlsruhe investiert Trumpf 300.000 Euro in das Unternehmen. Man sei überzeugt, „dass in Zeiten der Digitalisierung auch der Mittelstand mehr und mehr auf aktuelle und digitale Weiterbildungsangebote setzen muss“, sagt Dieter Kraft, Geschäftsführer von Trumpf Venture.

Fünftes Direktinvestment von Tumpf

Gegründet 2016, verwaltet die Wagniskapitaltochter des Maschinenbauers einen 40 Millionen Euro schweren Fonds. Das Geld soll binnen zehn Jahren direkt und über andere Fonds in Start-ups investiert werden. Zu den direkten Beteiligungen gehören die in Berlin ansässige 3D-Druck-Plattform 3Yourmind, das dänische Medizintechnik-Start-up RSP Systems, das auf Blickverfolgung spezialisierte Schweizer Unternehmen Eyeware und Xarion – ein österreichisches Start-up, das Mikrofone ohne Membran entwickelt.

Peers ist für Trumpf vor allem für die eigene HR-Arbeit interessant: Der Maschinenbauer hatte versprochen, dass keine Mitarbeiter wegen der Digitalisierung ihren Job verlieren – und treibt deswegen die Weiterbildung voran. Zudem gibt es eine enge Bindung zur Gründerin: Elisa Hertzler war bis zum Sommer bei Trumpf im Bereich Unternehmensstrategie angestellt. Ihre Geschäftsidee hatte sie zuvor in einem internen Inkubator-Programm entwickelt. Zusammen mit dem IT-Spezialisten David Topf (rechts im Bild) und dem Personalmanager Lars Himpeler (links) hat sie sich schließlich selbständig gemacht.

Von Trumpf sind Ausgründungen wie diese explizit gewollt. Laut Kraft ist es das dritte Start-up, die das vor gut einem Jahr gestartete Inkubator-Programm hervorgebracht hat. „Wir wollen den Gründern die Gelegenheit geben, ihre Ideen schneller in die Tat umsetzen zu können, als es innerhalb eines Großunternehmens der Fall wäre.“

Gute Rahmenbedingungen

Neben Trumpf hat Peers eigenen Angaben zufolge bereits eine Handvoll weiterer Pilotkunden, die namentlich nicht genannt werden wollen, für sich gewonnen. Die Finanzspritze will Gründerin Hertzler nun nutzen, um die Cloud-Software so auszubauen, dass Unternehmen diese ohne lange Einführungsprojekte nutzen können. Auch der Funktionsumfang soll deutlich wachsen. Eine Idee, aus der sich auch der Firmenname ableitet: „Unsere Plattform soll künftig auch den unternehmensübergreifenden Austausch befördern – und beispielsweise Digitalisierungsexperten zusammenbringen“, sagt Hertzler.

Die Rahmenbedingungen für das junge Unternehmen sind günstig: Betriebliche Weiterbildung rückt derzeit bei vielen Firmen auf der Agenda nach oben. Davon profitieren beispielsweise auch das Bochumer E-Learning-Start-up Masterplan und die Coaching-Plattform Coachhub. Eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom ergab vor einem Jahr, dass fast zwei Drittel aller Unternehmen ihre Mitarbeiter inzwischen zu Digitalthemen schulen. Eine Vermittlung, wie sie Peers anbietet, scheint durchaus einen großen Bedarf zu treffen: In der Bitkom-Studie gab fast jedes dritte Unternehmen an, die Angebote seien nicht ausreichend auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt. Ebenso viele konnten die Qualität der Angebote schlecht beurteilen.