Das Düsseldorfer Start-up machte den Investoren bei „Die Höhle der Löwen“ mit neuartigem Bratfett Appetit. Im Interview verraten die Gründer, wie es dazu kam.

Ein neuartiges Bratpulver, das es möglich macht, Fleisch ohne Fettspritzer und nahezu fettfrei zu braten – mit diesem Versprechen kamen Deniz Schöne und Johannes Schmidt in die „Höhle der Löwen“. Nicht nur das Fleisch, das die beiden den Juroren zum Testessen auf den Teller legten, schien diesen zu munden. Gleich vier von ihnen wollten in Paudar investieren und lieferten sich einen wahren Bieterstreit. Am Ende setzte sich Ralf Dümmel durch. Warum sich die Düsseldorfer für den Hamburger Geschäftsmann entschieden, wie es überhaupt zu der Entwicklung von Paudar kam und warum beide ihre alten Jobs vorerst nicht aufgeben wollen, verraten sie im Interview.

Herr Schöne, Herr Schmidt, herzlichen Glückwunsch zum Deal. Welche Chancen haben Sie sich vor dem Pitch ausgemalt?
Mit einem solchen Bieter-Wettstreit hatten wir ehrlich gesagt nicht gerechnet. Schließlich sind wir erst seit Oktober 2018 auf dem Markt. Wir konnten kaum Verkaufszahlen nachwiesen, denn wir hatten noch keinen Online-Shop, waren nicht im Einzelhandel gelistet und außer bei QVC konnte man unser Produkt noch nirgendwo kaufen.

Die Löwen fanden bemerkenswert, dass Sie Ihr Produkt bereits beim Düsseldorfer Shopping-Sender untergebracht haben. Wie kam es denn dazu?
Im Rahmen der Düsseldorfer Start-up-Woche haben wir spaßeshalber an einer QVC-Studiotour teilgenommen, an deren Anschluss auch eine Panel-Diskussion mit Investoren stattfand – dort saß der Chefeinkäufer des Senders mit Ralf Dümmel und Start-ups auf der Bühne. 

Sie kannten Ralf Dümmel also schon vor ihrem Auftritt in „Die Höhle der Löwen“?
Nein, überhaupt nicht! Wir haben ihn tatsächlich nur auf der Bühne gesehen und er wurde belagert von den anwesenden Start-ups. Wir haben uns auf den Chefeinkäufer von QVC fokussiert und er war gleich angetan von unserer Idee und versprach sich zu melden, was er wenige Tage später auch tatsächlich tat. Und so landete Paudar bei QVC. Das wir später auch irgendwann mal Ralf Dümmel als Investor über „Die Höhle der Löwen“ kriegen würden, ist total abgefahren. Das hätten wir nie gedacht und zum Glück haben wir ihn damals nicht angesprochen, sonst hätten wir gar nicht bei „Die Höhle der Löwen“ mitmachen dürfen. 

Wie kam es eigentlich zu der Entstehung von Paudar?
Ende 2014 sind wir beide beruflich bedingt nach Düsseldorf gezogen – damals kannten wir uns noch nicht. Weil wir beide neu in der Stadt waren, haben wir an einem Sportkurs teilgenommen, um Leute kennenzulernen. Eines Abends liefen wir gemeinsam zur Bushaltestelle und kamen dabei ins Gespräch. Wir merkten rasch, dass wir beide uns für das Thema ´Gründen´ interessieren und haben uns fortan regelmäßig getroffen und gebrainstormt. Da war alles mögliche an Optionen dabei – vom Bio-Tee bis hin zum Instant-Kaffeepulver. Bei der Entwicklung von letzterem experimentierten wir dann mit Fettpulver und merkten: Da kann man was draus machen.

Und dann haben Sie weiter in der heimischen Küche gewerkelt?
Anfangs schon. Bei uns wurde innerhalb eines Jahres mehr gebraten als in jeder Imbissbude. Irgendwann hat uns allerdings ein großes Unternehmen, das Öle und Fette herstellt und von dem wir unsere Waren bezogen haben, gefragt, was wir da eigentlich machen. Als sie hörten, dass wir an einem neuen Bratfett basteln, wurden sie neugierig. Neuartige Schokoladen, Insekten-Burger und ähnliches kannte man zu dem Zeitpunkt schon zu Genüge, aber eine Innovation in Sachen Bratfett gab es nicht. Gemeinsam mit der Firma haben wir also die Entwicklung vorangetrieben.

Sie sind Nebenbei-Gründer, arbeiten hauptberuflich im Vertrieb und im Innovation-Management. Was sagen denn Ihre Kollegen zu Ihrem Zweitjob?
Die meisten wussten bis vor kurzem gar nichts davon. Erst durch die Berichterstattung über „Die Höhle der Löwen“ wurden sie darauf aufmerksam. Jetzt hören wir natürlich immer wieder mal die Frage ´ Und, wann verlasst ihr uns?´

Und?
Ehrlich gesagt haben wir eine leichte Risiko-Aversion, was für Gründer ja eher ungewöhnlich ist (lachen). Wir warten erst einmal ab wie Paudar auf dem deutschen Markt ankommt und sehen dann weiter – schließlich haben wir Familien, die versorgt werden wollen.

Verraten Sie uns am Ende noch, warum Sie sich für Ralf Dümmel entschieden haben?
Er war von Beginn an einer unserer Favoriten, aber wir waren offen für alle Löwen. Darum war die Verhandlung auch komplett echt – wir wussten tatsächlich selbst nicht, wie es ausgehen würde. Ralf hat gezeigt, wie sehr er Paudar wollte, weil er ja das Investment noch einmal erhöht hat, doch das Geld war nicht, was uns überzeugt hat. Es war vielmehr eine Bauchentscheidung: Er passt vom Typ her zu uns, ist ein Macher und ein Geschäftsmann alter Schule, auf dessen Wort man etwas geben kann.