Aus dem lästigen Warten auf Pakete will das Münchener Start-up Vorteile ziehen – und mit seiner Lösung Online-Shops europaweit überzeugen.

Produkt auswählen, in den digitalen Warenkorb legen, mit wenigen Klicks bezahlen: Die meisten Online-Shops sind inzwischen auf einfaches und schnelles Einkaufen getrimmt. Kunden besonders effizient zur Kasse zu lotsen, reicht jedoch nicht aus, um langfristig im harten E-Commerce-Geschäft zu bestehen. Die Herausforderung: Verbraucher nicht nur ein Mal, sondern immer wieder in den eigenen Shop zu ziehen.

Hier bringt sich das Münchener Start-up Parcellab ins Spiel. Die 2014 gegründete Firma tüftelt an Marketing-Maßnahmen, um den Zeitraum zu nutzen, in der Käufer auf ihre online bestellten Produkte warten. Versandbestätigung, voraussichtlicher Lieferzeitpunkt, gewünschter Ablageort: Bislang ist der Kundenkontakt rund um die Ankunft des Pakets in erster Linie Versanddienstleistern wie DHL, Hermes und Co. überlassen. Parcellab will das ändern – und wirbt mit höherer Kundenbindung sowie höheren Umsätzen um Online-Händler in Europa.

Strategien hinter der E-Mail-Flut

Konkret erstellt das Start-up Versandbenachrichtigungen und Informationen zur Lieferung als sogenannte White-Label-Lösung in der eigenen Markenoptik der Shops. Die Hinweise kommen per E-Mail, SMS oder auch als Facebook-Nachricht bei den Verbrauchern an – und enthalten beispielsweise Produktempfehlungen für den nächsten Einkauf. Mit Hilfe von Sendungsdaten der Logistiker stimmt Parcellab die Kundenkommunikation zeitlich ab und sendet etwa Benachrichtigungen, wenn sich die Lieferung verspätet. Zudem hilft das Unternehmen Online-Händlern dabei, ein eigenes Portal zur Paketverfolgung in den Shop zu integrieren.

„Alle Online-Händler haben sich bislang weitestgehend darauf konzentriert, das Einkaufserlebnis für die Kundenakquise zu optimieren”, lässt sich Mitgründer Anton Eder in einer Pressemitteilung zitieren. Diese Potenziale seien mittlerweile ausgenutzt. Dagegen stecke in der Verbesserung des Kauferlebnisses nach der Bestellung noch ein riesiges Potenzial, um relevante Mehrumsätze zu generieren, teilt Eder mit.

Finanzierung in Millionenhöhe

In der Branche spielt der Kampf um die Aufmerksamkeit der Endkunden eine enorme Rolle. Investoren wie Coparion und Capnamic Ventures sehen deshalb Wachstumschancen für Parcellab. „Stetig steigende Akquisitionskosten führen dazu, dass Kundenbindung im Handel immer wichtiger wird“, sagt Christian Siegele, Managing Partner bei Capnamic Ventures, laut Presseinformation.

Parcellab will nun nach einer abgeschlossenen Series-B-Finanzierungsrunde weitere Märkte in Europa erschließen, wie das von Tobias Buxhoidt, Anton Eder und Julian Krenge gegründete Unternehmen heute bekanntgab. Außerdem sollen die Teams in Deutschland, Großbritannien und Frankreich wachsen. Derzeit beschäftigt das Münchener Start-up mehr als 50 Mitarbeiter und hat nach eigenen Angaben 350 Kunden aus 38 Ländern – darunter die Supermarktkette Lidl, der Möbelhändler Ikea sowie der Elektronik-Versandhändler Conrad.

Anfang des vergangenen Jahres floss bereits im Rahmen einer Series-A-Runde ein siebenstelliges Investment an die junge Firma. Anschub leistete auch MediaMarkt-Saturn mit seinem Accelerator-Programm „Retailtech Hub“, hinter dem eine Kooperation mit dem amerikanischen Accelerator Plug and Play Tech Center steckt.