Das junge Unternehmen ersteht Wohnungen in Hamburg – und verleast sie an potenzielle Käufer. Mit Geld aus der Tech- und Immobilienwelt will der Gründer nun richtig loslegen.

Ob Altona, Winterhude oder Harburg: Wer in Hamburg auf Wohnungssuche geht, muss schnell um die 500.000 Euro an Kaufpreis einkalkulieren. Nebenkosten, Umbau und Ausstattung kommen noch dazu. Eine Herausforderung, insbesondere für die jüngere Bevölkerungsschicht. Und eine große Entscheidung, die oft unter Zeitdruck getroffen wird: „Beim Eigentum muss ich oft reingehen und schnell sagen: ‚Das nehme ich‘“, sagt Nils T. Kohle (rechts im Bild). „Ich gebe viel Geld aus, kann aber nicht probewohnen – so ein Ausprobieren kenne ich aber vom Autokauf.“

Mit seinem Start-up Ownr (ausgesprochen Owner, englisch für Besitzer) will Kohle daher ein bekanntes Finanzierungmodell für die Immobilienbranche etablieren: Die Zielgruppe sind Interessenten für eine Wohnung, die sich aber nicht für einen Kauf entscheiden können oder wollen. Mit denen schließt Ownr einen Leasing-Vertrag über ein bis vier Jahre, der gleichzeitig als Mietvertrag dient.

Helfer für unsichere Käufer – und Makler

Das Start-up kauft die Immobilie, renoviert sie vor dem Einzug durch – und lässt die Kunden nach Ablauf der Vertragslaufzeit entscheiden: Ausziehen, verlängern, oder die Wohnung für einen vorher festgelegten Preis kaufen. „Wir dienen als Brückenbauer für die Objekte, mit denen potenzielle Käufer auf Anhieb vielleicht nur zu 90 Prozent zufrieden sind“, beschreibt es Kohle. Als Vermittler dienen dabei Makler, die so Interessenten eine mögliche weitere Option anbieten können – und selbst zügiger zu ihrer Provision kommen: „Wir bieten den Maklern einen zusätzlichen Vertriebsweg“, sagt Gründer Kohle, der im Laufe seiner Karriere auch für Engel & Völkers tätig war.

Die Kalkulation von Ownr: Zum einen verdient das Start-up über die Leasing-Rate ein wenig Geld – die liegt ein Stückchen über der sonst üblichen Miete. Zum anderen will das 2017 gegründete Unternehmen nach und nach auch weitere Angebote oder Einrichtungsgegenstände rund um die Wohnung als Service oder Leasing anbieten. Der mögliche Spekulationsgewinn, wenn ein Leasingnehmer nach der Mindestlaufzeit auszieht, sei dagegen kein entscheidender Teil des Businessplans, sagt Kohle. „Wir haben auch das Risiko, falls die Preise runtergehen.“

12,5 Millionen Euro als Startkapital für bis zu 1000 Immobilien

Trotz hoher Summen geht es dabei nach Angaben des Gründers pro Objekt nur um schmale Margen. „Wenn wir das Modell nicht skalieren, würden wir damit kein Geld verdienen“, sagt Kohle. Dieses Skalieren steht jetzt an: Nach einem Testlauf mit einer Handvoll Objekte will Ownr nun in den kommenden Jahren ein Portfolio von 1000 Immobilien aufbauen. Zuerst weiter in der Heimatstadt Hamburg, in der gerade sogar ein eigenes Ladenlokal entsteht, um Kunden das Modell näher zu bringen. Berlin und Frankfurt sollen als nächste Märkte aber zügig folgen.

Dafür beteiligen sich im ersten Schritt nun Gesellschafter mit 12,5 Millionen Euro an dem Start-up. Aus der Tech-Welt kommt dabei Atlantic Labs. Gründer Christoph Maire lobt das Geschäftsmodell, das „zukunftsweisende Lösungen für ein immer drängenderes Problem“ schaffe: „Die prekäre Wohnsituation in Großstädten, insbesondere für Menschen, die noch kein Eigentum besitzen“. Schon im vergangenen Jahr war Atlantic Labs bei Ownr eingestiegen. Daneben fließt auch noch Eigenkapital aus dem Immobilien- und Infrastruktursegment. Mit zusätzlichen Krediten soll dann das Geld zusammenkommen, um das große Portfolio aufzubauen.

In den Prozessen setzt Ownr mit aktuell elf Mitarbeitern auf digitale Abläufe. Das Kerngeschäft sind jedoch Immobilien, die in den Besitz des Start-ups übergehen. Auf diese Mischung, die verlässliche, aber unspektakuläre Renditen verspricht, setzen auch andere Start-ups. Heimkapital oder GNIW versuchen sich an der sogenannten Immobilienrente – und zielen dabei besonders auf ältere Eigentümer, die ihren Besitz versilbern wollen. Immo Investment hilft Vermögensverwaltern, sich effizienter Wohnraum als Kapitalanlage zu sichern. Im überwiegend digitalen Geschäft rund um den Immobilienkauf sind Start-ups wie McMakler bereits groß geworden – auch mit den Berlinern kooperiert Ownr bereits.