Doch optimistisch sein, bedeutet nicht, dem eigenen Optimismus immer blind zu vertrauen. Zwischen Geschäftsidee und Gründung nämlich – das heißt bei der Prüfung, ob die Geschäftsidee wirklich etwas taugt – rät Trevelyan zum sogenannten Prevention Fokus. In diesen Situationen sollten Gründer ihrem Optimismus und ihrem Tatendrang eine kurze Pause gönnen und stattdessen vorsichtig werden. Nun heißt es, konzentriert zu überlegen, wie sich Fehler vermeiden lassen und welche Fähigkeiten einem fehlen.

Gleiches gilt während der Wachstumsphase, wenn Unternehmensziele und -struktur geändert werden müssen. Und zwar besonders, wenn das Unternehmen bisher erfolgreich war. Denn dann glauben viele Gründer, es werde schon alles von alleine weiter laufen und verkennen notwendige Anpassungen. Paradoxerweise kann Erfolg also zu Misserfolg führen.

So lässt sich Selbstüberschätzung vermeiden

Mit folgenden Tipps können Gründer der Selbstüberschätzungs-Falle entgehen

  • Gegengründe suchen: Nicht immer dem eigenen Erfolgsinstinkt folgen, sondern überlegen, welche Hürden auftauchen können und welche Faktoren gegen den Erfolg sprechen.
  • Pro- und Contra-Aspekte richtig gewichten: Viele Gründer neigen dazu, den Indizien mehr Bedeutung beizumessen, die extrem sind (beispielweise sehr erfolgreiche andere Gründer). Doch für die richtige Entscheidung sollte man eher überlegen, welche Faktoren eine besonders hohe Aussagekraft für das eigene Unternehmen haben.
  • Von gescheiterten Gründern lernen: Dass viele Gründer optimistisch sind, liegt auch daran, dass wir im Alltag nur mit den erfolgreichen Gründern konfrontiert werde. Die gescheiteren sieht man nicht mehr. Verfügbarkeits-Heuristik nennen es Psychologen, wen wir die Dinge für wahrscheinlich halten, die uns einfach in den Sinn kommen. Und das sind eher die erfolgreichen Gründer. Fuck-up-Nächte sind da ein gutes Gegengift.

Dass wir Menschen uns oft selbst überschätzen ist übrigens keine neue Erkenntnis. Schon Goethe schrieb: „Der wunderbarste Irrtum aber ist derjenige, der sich auf uns selbst und unsere Kräfte bezieht: dass wir uns einem würdigen Geschäft, einem ehrsamen Unternehmen widmen, dem wir nicht gewachsen sind, dass wir nach einem Ziel streben, das wir nie erreichen können.“

Zum Glück erreichen es einige doch.