Zum anderen scheinen Gründer durch das Gründen noch zuversichtlicher zu werden. Zum Bespiel weil Rechtfertigungsdruck gegenüber Investoren, Mitarbeitern, Freunden und nicht zuletzt sich selbst nahelegt, die eigene Entscheidung für richtig einzustufen. Wer will sich schon geirrt haben? Dissonanz-Reduktion nennen es Psychologen, wenn jemand die eigenen Urteile und Wahrnehmungen so anpasst, dass sie im Einklang mit den Entscheidungen stehen.

Gründer opfern sich für die Gesellschaft?

Optimistisch zu sein, mag sich gut anfühlen, aber sinnvoll ist es nicht. Oder doch?

Selbstüberschätzung kann für Unternehmer weitreichende Folgen haben. Die Professoren für Entrepreneurship Keith Hmieleski und Robert Baron haben in einer Studie gezeigt, dass sich Optimismus schlecht auf den Umsatz und das Wachstum des Unternehmens auswirken. Interessanterweise gilt das sogar umso mehr, je erfahrener die Gründer sind; sprich bei Seriengründern sorgt Optimismus für besonders schlechte Geschäftsergebnisse. Die beiden Professoren begründen das unter anderem damit, dass sich Seriengründer durch ihren Optimismus mit zu vielen Unternehmen überlasten, statt sich auf die Konsolidierung eines Unternehmens zu konzentrieren.

Dennoch müssen Optimismus und Selbstüberschätzung nicht schlecht sein. Die US-amerikanischen Finanz-Professoren Antonio Bernardo und Ivo Welch halten die Selbstüberschätzung von Gründern für vorteilhaft – nicht für jeden einzelnen Gründer, aber für die Gesellschaft. Evolutionswissenschaftler sprechen von Gruppenselektion, wenn es nicht darum geht, das einige Individuen überleben und ihre Gene weitergeben, sondern der Fortbestand der Gruppe im Vordergrund steht. Bernado und Welch sehen Entrepreneure als unbewusst selbstlose Individuen. Sie probieren Neues aus und auch wenn ein Großteil scheitert, helfen einige durch erfolgreiche Innovationen der Gruppe.

Zu viel Optimismus ist nicht immer schlecht

Die australische Managementforscherin Rose Trevelyan ist hingegen der Meinung, dass starker Optimismus auf für den einzelnen Gründer nützlich ist. Denn man müsse klar unterscheiden zwischen motivierendem Optimismus und Denkfehlern, die zu schlechten Entscheidungen führen. Das Problem sei weniger, dass unrealistischer Optimismus ab einem gewissen Level schädlich ist, sondern in welcher Situation man über-optimistisch ist.

Wenn jemand mit der Idee spielt, ein Unternehmen zu gründen, sei Optimums hilfreich, egal wie viel, meint Trevelyan. Ebenso während der Seed-Phase. In beiden Situationen sollten Gründer in den Promotion Fokus gehen; so nennen es Psychologen, wenn man Dinge motiviert und offensiv angeht und sich den Möglichkeiten und Chancen widmet. Tatsächlich kann positives Denken auch Kraft und Selbstbewusstsein geben und im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung tatsächlich zu Erfolg führen.