Gründer stufen die Geschäftssituation positiver ein als Nicht-Gründer, sie über-vertrauen ihren Urteilen mehr als Manager und sie irren häufiger als Arbeitnehmer in der Annahme, dass sich ihre finanzielle Situation verbessern wird. Die meisten Gründer erkennen durchaus, dass der Markt nicht für alle Konkurrenten Platz hat. Aber für ihr eigenes Unternehmen erwarten sie einen positiven Profit.

In einer der ersten Studie zum Thema aus den 1970er Jahren war sich ein Drittel der befragten 3000 US-amerikanischen Gründer zu 100 Prozent sicher, dass ihr Unternehmen erfolgreich sein wird. Nur ein Fünftel schätzte die Chancen auf weniger als 70 Prozent ein. Doch in Wirklichkeit ist eine Vielzahl der Unternehmen nach kurzer Zeit wieder vom Markt verschwunden. Gerade erst haben die deutschen Start-ups Kochzauber und Wummelkiste das Aus bekannt geben müssen.

„Es ist zu starkes Selbstvertrauen, das Menschen dazu bringt, ein Unternehmen zu gründen“, schlussfolgerten Wissenschaftler vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Humboldt Universität. Anhand des Global Entrepreneurship Monitors (GEM) haben sie gezeigt, dass sich die Gründungraten der verschiedenen Länder auf unterschiedlich starke Overconfidence-Kultur zurückführen lassen. Auch für das Festhalten an einer nicht erfolgreichen Geschäftsidee ist häufig Overconfidence verantwortlich.

Ich weiß, dass ich nichts weiß

Von Investoren können Gründer leider nicht unbedingt erwarten, auf den Boden der Tatsachen geholt zu werden. Denn dummerweise sind Kapitalgeber ebenfalls häufig zu zuversichtlich.

Die drei verzerrten Wahrnehmungen – korrekte Urteile zu treffen, besser als andere zu sein und eine positive Zukunft zu haben – erklären auch andere irrationale Finanzaktionen wie unrentable Unternehmensaufkäufe, riskante Produktneuheiten und hohes Handelsvolumen an den Börsen sowie Aktienblasen.

Wie aber kommt es zu diesen Fehleinschätzungen? Ganz allgemein unterscheiden Psychologen und Verhaltensökonomen zwischen zwei Arten von möglichen Erklärungen: Kognitive Schwierigkeiten und Motivation. Nach derzeitigem Forschungsstand spielen beide eine Rolle.