Das spanische Start-up verbindet Digital-Experten und Unternehmen miteinander – und will hierzulande deutlich stärker wachsen. Einige Konkurrenten dürften etwas dagegen haben.

Mangel schafft Möglichkeiten: Mittelständler und Konzerne arbeiten mit Hochdruck daran, interne Strukturen und Geschäftsmodelle zu digitalisieren. Das passende Personal dafür ist schwer zu finden und manchmal kaum zu bezahlen. Gute Zeiten für Freiberufler, die sich für einige Wochen oder Monate um ein solches Projekt kümmern – und dann weiterziehen.

Nicht nur die Selbstständigen profitieren, sondern auch die Vermittlungsplattformen dahinter. Daher buhlen gleich mehrere Digitalfirmen um die Vermittlerfunktion: Die Zeitarbeitsfirma Randstad hat vor drei Jahren den Marktplatz Twago übernommen. Daneben sind weiterhin auch Start-ups wie Expertlead oder Outvise auf dem lukrativen Markt unterwegs – denn die Plattformen erhalten in der Regel eine Provision für jeden vermittelten Freelancer. Bei hohen Tagessätzen sorgt das für entsprechende Umsätze.

Deutschlands ist der wichtigste Markt für Experten & Erlöse

Outvise, 2016 in Barcelona gestartet, will jetzt insbesondere in Deutschland noch einmal nachlegen: „Deutschland ist der mit Abstand größte und bedeutendste Markt für uns“, sagt Mitgründer Pau Cerdá gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. Von den 22.000 registrierten Experten stamme etwa die Hälfte aus Deutschland, ebenso sorgten Unternehmen von hier für etwa die Hälfte des Umsatzes (der 2018 bei fünf Millionen Euro lag). Eine frisch abgeschlossenen Finanzierungsrunde über 1,5 Millionen Euro, von der WirtschaftsWoche Gründer vorab erfuhr, soll nun dabei helfen, Marktanteile zu gewinnen.

Man wolle das zusätzliche Kapital, das von einer Reihe institutioneller und privater Investoren stammt, nutzen, „um die Plattform vollständig zu automatisieren“, berichtet Cerdá. Aktuell führt das Start-up bereits deutsche Referenzkunden wie Unitymedia, RTL und ProSiebenSat1 auf. In Zukunft will Outvise stärker noch den deutschen Mittelstand erreichen – über Partner vor Ort „und natürlich über Online-Marketing“, sagt Cerdá. Von München aus arbeiten Marco Rosenheimer und Johann Schmid am Vertrieb.

Breite Digital-Palette statt spitzer Nische

Vor der Vermittler-Konkurrenz fürchtet sich Outvise nicht. Unternehmen mit Personalnöten könnten „genau die Kompetenzen schnell und flexibel zusammenstellen, die sie für ihre digitalen Projekte benötigen“, sagt Cerdá. Vom Produktmanager über Scrum Master, Blockchain- und Big-Data-Experten bis hin zu Spezialisten für das digitale Marketing seien wichtige Disziplinen für Transformationsprojekte versammelt. Damit setzt Outvise auf ein Komplettangebot, während andere Vermittlerseiten sich auf spezielle Nischen konzentrieren. Start-ups wie Comatch oder Consultingheads vermitteln freiberufliche Strategieberater, das für einen Millionenbetrag von Xing übernommene Honeypot fokussiert sich auf Programmierer.

Auf diesen Beruf verzichtet Outvise bewusst. Der Kern-IT-Bereich verlange „durchaus eine spezialisierte Herangehensweise“, sagt Cerdá. Punkten will man dagegen mit einer internationalen Experten-Datenbank. Einige andere Mitbewerber vermitteln vor allem Freelancer aus dem deutschsprachigen Raum: „Gerade im Digitalgeschäft sind solche Kompetenzen nicht immer nur im eigenen Land zu finden sind“, sagt Cerdá. Umgekehrt bietet das Portal auch Freiberuflern, die andere Orte sehen wollen, globale Gestaltungsmöglichkeiten: Auf der Homepage sind aktuell etwa Projekte in den Philippinen, der Elfenbeinküste und Südafrika ausgeschrieben.