Dem Unternehmen ist es nicht gelungen, neue Geldgeber zu finden. Auch andere Anbieter tun sich auf dem umkämpften Markt zunehmend schwer.  

Es ist kein guter Jahres-Auftakt für Mobilitäts-Start-ups: Gerade erst hat der Fahrrad-Werkstattdienst LiveCycle Insolvenz angemeldet, vergangene Woche musste der E-Scooter-Anbieter Circ eine Übernahme durch den US-Konkurrenten Bird bekanntgeben – und nun steht eine Carsharing-Firma vor dem Aus: Wie Oply heute mitteilte, stellt das Unternehmen zum 27. Februar seinen Betrieb in Deutschland ein.

Oply war in Hamburg, Berlin und München mit zuletzt 510 Fahrzeugen vertreten und hat eigenen Angaben zufolge mehr als 60.000 Kunden. Die Besonderheit: Das Start-up mit Hauptsitz in Luxemburg setzt weder auf feste Stationen noch auf das so genannte Free Floating, bei dem Autos überall in einem Geschäftsgebiet abgestellt werden können. Stattdessen gibt es Zonen in Stadtvierteln, denen einzelne Fahrzeuge zugeordnet sind. Kunden sollen dadurch höhere Chancen haben, in der Nachbarschaft ein Auto zu finden.

Wie das Unternehmen nun mitteilte, ist die Fortführung des Geschäfts nun an einer fehlenden Finanzierung gescheitert. „Trotz diverser Investorengespräche konnte mit keinem Partner eine Einigung erzielt werden, sagt Gründer Mauro Mariani. „Im letzten Jahr ist die Risikobereitschaft, in neue Mobilität zu investieren, stark gesunken.“ 2017 hatte das Start-up noch 25 Millionen Euro an Wagniskapital erhalten – Investor war der chinesische Autobauer SAIC. Beteiligt war zudem die VC-Firma Sailing Capital.

Gründer war bereits mit einem Carsharing-Dienst gescheitert

Mariani ist in der Branche kein Neuling. Er gründete bereits den Carsharing-Anbieter CiteeCar, der im Januar 2016 in die Insolvenz ging. Deutschland-Chefin von Oply ist Katharina Wagner, vormals Leiterin der Geschäftsentwicklung bei Car2go. Wie Wagner auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer erklärte, wird neben der deutschen Oply GmbH auch die luxemburgische Mutterfirma Oply Mobility abgewickelt. Bestehen bleiben soll hingegen das Geschäft von Co-wheels – einem britischen Unternehmen, an dem sich Oply im vergangenen Jahr beteiligt hatte.

Einem Insolvenzverfahren sei das Start-up zuvorgekommen. „Oply kann alle Gehälter und Verbindlichkeiten bezahlen und wird alle geschäftlichen Angelegenheiten bis Ende März abwickeln”, sagt Wagner. Betroffen davon sind 50 Mitarbeiter in Deutschland und Luxemburg. Mitarbeiter unterstütze man mit Branchenkontakten, um passende neue Jobs zu finden.

Das Ausscheiden von Oply zeigt einmal mehr, wie schwierig es ist, im Carsharing-Segment Geld verdienen. Bei Investoren spätestens seit die Daimler-Tochter Car2go und die BMW-Tochter Drivenow ihren Zusammenschluss bekannt gegeben haben, die Alarmglocken. Das Joint-Venture Sharenow hatte zuletzt bekanntgegeben, sich aus Kostengründen aus Nordamerika sowie mehreren europäischen Städten zurückzuziehen. Auch der Ausstieg von Bosch aus dem Sharing-Geschäft mit E-Rollern wurde in der Branche als Warnsignal gewertet.

Miles Mobility schränkt Angebot ein

Dem Negativtrend trotzen will Miles Mobility. Das von Seriengründer Lukasz Gadowski unterstützte Start-up  betont derzeit immer wieder, dass sich Carsharing sehr wohl profitabel betreiben lasse. Wie Sharenow setzt Miles auf Free Floating. Das Alleinstellungsmerkmal ist die Abrechnung nach gefahrenen Kilometern statt nach Minuten. Vertreten ist Miles in fünf Städten. Rund scheint das Geschäft aber auch bei Miles nicht zu laufen: Das Start-up hat sein Angebot gerade deutlich eingeschränkt. In Köln, Düsseldorf und München gibt es zur Zeit nur noch Transporter zu mieten – aber keine Pkws mehr. Auf Sylt scheint der Dienst sogar ganz eingestellt worden zu sein.

Auf Expansionskurs ist dagegen WeShare. Die VW-Tochter war im vergangenen Juni mit Elektroautos in Berlin an den Start gegangen – und will nun unter anderem auch in Hamburg und München aktiv werden. Insgesamt gibt es auf dem deutschen Markt nach den letzten verfügbaren Zahlen des Bundesverbands Carsharing rund 180 Anbieter. Die überwiegende Mehrheit setzt aber auf feste Stationen und ist nur lokal oder regional aktiv.