Mit Perioden-Unterwäsche traten zwei Gründerinnen bei „Die Höhle der Löwen“ an. Im Interview erklären sie, warum sie in der Sendung einen Deal ablehnten.

Ein Leben ohne Tampons und Binden? Mit diesem Versprechen an die Frauenwelt betraten Kristine Zeller und Kati Ernst  Die Höhle der Löwen. Die Berliner Gründerinnen, die lange Jahre bei Zalando und McKinsey tätig waren, haben mit ihrem Start-up Ooshi Periodenunterwäsche konzipiert, bei der das Menstruationsblut von einem Membransystem aufgesaugt und so am Auslaufen gehindert wird. Dank der ausgewählten technischen Materialien soll sich Ooshi komplett trocken anfühlen, Bakterien und Gerüche sollen in Schach gehalten werden.

Die neuartige Unterwäsche kam bei den Löwen unterschiedlich an – während die Männer fast ein wenig hilflos wirkten und sich nach und nach von einem möglichen Investment distanzierten, zeigte sich Judith Williams angetan. Zehn Prozent der Unternehmensanteile für 300.000 Euro erschien ihr jedoch zu wenig – sie wollte 30 Prozent. Kati Ernst und Kristine Zeller lehnten ab. Wie es für das Start-up seit der Aufzeichnung der Sendung weiterging und ob sie ihre Entscheidung im Nachhinein bereuen, bereichtendie beiden im Interview.

Frau Ernst, Frau Zeller, was war Ihr erster Gedanke als Sie die Räume nach der Aufzeichnung verließen?
Dass dieser Auftritt eine tolle Bestätigung für unser Produkt war, weil wir äußerst positive Rückmeldungen bekommen habe. 

Gab es kein Fünkchen Wehmut wegen des nicht stattgefunden Deals?
Nein, wirklich nicht. Judith Williams Angebot war für uns eine Ehre, weil sie eine bewundernswerte Geschäftsfrau ist, und wir hätten sie sehr gerne an Bord gehabt. Gleichzeitig  wussten wir genau, was wir wollten – und was nicht. Auf dem Weg zur Aufzeichnung hatten wir noch im Taxi eine lange Diskussion darüber auf wie viel Prozente unserer Firma wir abgeben würden. Als wir ankamen, stand fest, dass es nicht mehr als 15 Prozent sein sollten. Daran haben wir uns gehalten.

Und die Entscheidung nie bereut?
Nein, denn die Firma ist von Beginn an aus eigener Kraft stark gewachsen: Zunächst über eine Crowdfunding-Kampagne bei der wir fast 48.000 Euro einsammeln konnten, und seit dem Frühjahr machen wir sechsstellige Umsätze im Monat. Wir waren in der Vergangenheit immer wieder ausverkauft, die Kundinnen bestellten die Unterwäsche vor und zahlen auch vorab, was uns die Planung erleichtert hat. Heute ist unser Lager ausreichend gefüllt. Aktuell benötigen wir also keinen Investor, worüber wir sehr glücklich sind, denn so können wir unser Start-up so voranbringen, wie wir es für richtig halten. 

Und wie sieht das aus? Welche Strategie verfolgen Sie mit Ooshi?
Uns geht es nicht nur um den finanziellen Erfolg, sondern auch darum, dass wir einen Job ausüben, der sich gut mit der Betreuung unserer ingesamt fünf Kindern vereinbaren lässt. Darum muss unser Start-up nicht unter jeden Umständen so rasant wie möglich wachsen. Wir streben vielmehr eine erfolgreiche Balance aus Arbeit und Familie an. Viele Leute denken, dass das Gründen eines eigenen Unternehmens bedeutet, dass man nur noch für die Firma lebt. Aber unsere Erfahrung zeigt vielmehr, dass auf Grund der Flexibilität, die wir als Unternehmerinnen haben, vieles leichter wurde. Wir entscheiden selbst, wann und wo wir arbeiten wollen – und das gilt im Übrigen auch für unsere Mitarbeiter, die alle zeit- und ortsungebunden tätig sind.

Bedeutet das, dass Sie zunächst auch nicht expandieren wollen?
Eine Internationalisierung steht aus zwei Gründen momentan noch nicht an – auch wenn wir überzeugt sind, dass Ooshi auch in Nachbarländern gut ankäme: Einmal wäre solch eine Vergrößerung der Firma mit vielen Reisen verbunden und somit die eben genannte Balance aus Familie und Job durcheinander bringen. Zudem glauben wir, dass Ooshi stark von unserer persönlichen Geschichte lebt und von uns als Gründungspersönlichkeiten. Die Marke wächst dank unserer öffentlichen Auftritte und unsere Präsenz in den sozialen Medien wie Instagram. Das auf andere Länder zu übertragen, würde sich schwierig gestalten. Darum konzentrieren wir uns erst einmal auf Deutschland und Österreich und werden hier in den kommenden sechs bis zwölf Monaten unsere Produktpalette vergrößern. Um was es sich dabei handelt, verraten wir aber noch nicht.

Judith Williams war bereit in Ooshi zu investieren, die männlichen Löwen zeigten sich eher zurückhaltend.
Carsten Maschmeyer sagte: Ich würde mir an Ihrer Stelle einen weiblichen Investor suchen – das ist ein Paradebeispiel dafür, was wir immer wieder erleben. Von Tag eins an sind wir immer wieder auf Geschäftsmänner gestoßen, die Ooshi skeptisch gegenüberstanden. Einen Satz, den wir auch häufig hören, wenn es um eine potenzielle Finanzierung geht, lautet „Da muss ich erst mal meine Frau fragen, was sie von Ihrem Produkt hält“. Wir finden das insofern überraschend, als dass wir mit unseren Zahlen ja eindeutig belegen können, dass der Periodenmarkt ein sehr interessantes Investment bietet – schließlich wir sprechen mit unserem Produkt die Hälfte der Weltbevölkerung an.  Aber die meisten Männer lassen sich darauf nicht ein und verweisen lieber auf weibliche Geldgeberinnen, auch wenn sie genau wissen, dass deren Anzahl mit 0,5 Prozent von der Gesamtzahl an Investoren verschwindend gering ist.

Warum?
Weil ihnen vermutlich das Thema, wie so vielen Leuten, unangenehm ist. Es ist nach wie vor ein Tabu – und zwar für Männer und Frauen. Vor ein paar Monaten lief über uns eine Reportage im RBB. Als der Beitrag bei Facebook geteilt wurde, konnte man darunter Kommentare lesen wie „Hatte gerade mein Abendbrot. Ich schwankte zwischen abschalten und übergeben. Nicht nochmal !!“ und „widerlich das hier so zu präsentieren!!!!“ – und das im Jahr 2019. Darum haben wir mit dem Online-Shop für Ooshi auch den richtigen Vertriebskanal gewählt – hier können die Frauen anonym einkaufen und finden alle notwendigen Informationen zu unserem Produkt ohne sich mit einer Verkäuferin über ihre Periode unterhalten zu müssen. Diese Hemmschwelle muss aber auf Dauer verschwinden und wir hoffen, mit Ooshi unseren Teil beitragen zu können.