Metzgereien schließen, der Online-Handel mit Fleisch wächst – rund läuft es für die Anbieter noch nicht. Doch sie sind sicher: In Zukunft kommt das Steak per Post.

Von Jule Zentek

Die Metzgerei gleich ums Eck macht dicht. So sieht es mittlerweile in vielen deutschen Städten aus. Experten sind sich einig: Schuld daran ist die wachsende Konkurrenz durch Supermärkte und Discounter. Die bieten mittlerweile neben eigenen Backwaren auch frische Fleischprodukte – und das oft günstiger als im Fachgeschäft.

In den letzten zwölf Jahren sank die Zahl der Metzgereimeister von 17.000 auf 11.000. Viele Betriebe und Produktionsstätten schmissen das Handtuch – doch ist eine Schließung die einzige Wahl? Definitiv nicht. Das zeigen Unternehmen wie Gourmetfleisch, Fleischgenießer, Steakschmiede und andere. Sie setzen auf einen neuen Markt – den Online-Handel.

Frisches Steak mit einem Klick

Zu den ersten Marktteilnehmern zählte das Unternehmen Gourmetfleisch aus Mönchengladbach. Die Idee für den Webshop entstand auf einer USA-Reise: Geschäftsführer Burkhard Schulte bemerkte, dass Privatpersonen ihr Fleisch völlig selbstverständlich online bestellten. Schulte sah den Zeitgeist dafür auch in Deutschland gekommen: Was vor hundert Jahren als Stadtmetzgerei startete, fand so 2008 den Weg ins Netz.

Innerhalb von zehn Jahren konnte sich Gourmetfleisch eine große Reichweite aufbauen: Rund 150.000 Kunden beliefert das Unternehmen europaweit. Doch der Markt ist sensibel. „Wir mussten viele Vorbehalte der Kunden aufklären“, sagt Sprecher Mariusz Licbarski. Transparenz hinsichtlich der Sicherheit beim Versand und bei der Produktqualität seien gefordert worden.

Eher schleppend verlief der Start beim Online-Shop Fleischgenießer. Jahrzehntelang betrieb das Unternehmen einen Fleischgroßhandel und belieferte Metzgereien. Aufgrund der spürbaren Nachfrageprobleme entschloss sich Geschäftsführer Stegbauer 2014 einen neuen Schritt zu wagen: Den Einstieg ins Online-Geschäft. „In den ersten drei Monaten machten wir genau 0,0 Euro Umsatz.“, sagt Stegbauer. Was er damals nicht gewusst habe: Die Spielregeln im Online-Geschäft sind anders.

Auch Fleisch braucht Online-Marketing

Das Unternehmen aus dem bayrischen Wald musste zunächst investieren: Marketing und Werbung auf Google waren notwendig, um auf sich aufmerksam zu machen. Innerhalb von zwei Jahren, wuchs so die Zahl der Kunden – mittlerweile kommen diese aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und sogar Südtirol.

„Wir sahen darin eine Chance zur Zukunftssicherung“, sagt Stegbauer. Noch bietet der Online-Shop kein eigenes Standbein: Nur etwa 200.000 Euro steuert er zum jährlichen Umsatz von rund vier Millionen Euro bei.

Kann man dann von Zukunftssicherung sprechen? Ja, sagen die Start-ups und sind sich daran einig. Die Nachfrage sei definitiv steigend. Kunden würden hochwertige Fleischqualität fordern – bloß nun vermehrt online. Potenzielle Nachfrage sei also vorhanden. Warum ist der Anfang für den Online-Handel dann noch so schwer?

Diese Frage hat sich auch Tobias Thüner, Geschäftsführer vom Start-up Steakschmiede gestellt. „Die Leute sind noch sehr konservativ und vorsichtig“, sagt Thüner. Laut seiner Einschätzung liegt es nicht an den Preisen. Die Kunden seien bereit für gute Qualität diesen Preis zu zahlen. Rund 30 bis 50 Euro kostet beispielsweise eine T-Bone-Steak vom Angus Rind in den Online-Shops.

Die Steakschmiede ist frisch im Geschäft: 2015 gründete Thüner das Start-up, gemeinsam mit fünf Studienkollegen, nach einem Business-Wettbewerb an der Uni. Mittlerweile führen sie das Unternehmen zu dritt. Ihre erste Idee: Kochboxen nach dem Prinzip von „Hello Fresh“. Daraus entstand schließlich die Steakschmiede.

Optimismus trotz schwachem Umsatz

Mit dem Catering und dem Offline-Handel in ihrer Filiale in Düsseldorf, verdienen sie am meisten, so Thüner. Online verzeichnet das Start-up noch kein umsatzstarkes Geschäft: Nur 2 Prozent vom Gesamtumsatz erwirtschaftet das Online-Geschäft. Damit das in Zukunft besser wird, sei ein aufwändiges Marketing notwendig. „Auf Facebook und Google haben wir das bereits versucht“, sagt Thüner. Dennoch will das Start-up am Online-Shop festhalten.

Denn die Anbieter sind überzeugt: Der Online-Fleischhandel wird in Zukunft weiterwachsen. Der Fleischerverband Nordrhein-Westfalen hat Markt bereits ebenfalls erkannt: Er verleiht seit einigen Jahren den „Internet World Shop-Award“. 2017 ging dieser wiederholt nach Mönchengladbach. Das Team von Gourmetfleisch feierte das stilecht, mit einer Grillparty für alle Mitarbeiter.