Kunsthändlerin Konstanze Wolter hat sich auf Auktionen im Internet spezialisiert. Nun macht sie mit einer neuen Galerie einen Schritt zurück.

Von Claudia Drescher

Posten, twittern, shoppen – alles online. Wer noch nicht im Netz ist, will unbedingt hinein. Die Chemnitzerin Konstanze Wolter wagt nun den Gegenentwurf: Die Online-Kunsthändlerin geht mit ihrer Galerie e.artis contemporary analoge Wege. „Kunst im Internet kaufen und verkaufen ist das eine, doch der Kunstgenuss selbst funktioniert online eher schlecht“, ist die 36-Jährige überzeugt. Der Trend zum Digitalen wird nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG) in der Kunstszene noch von Vielen mit Skepsis betrachtet.

Sechs Jahre nach Gründung von e.artis, einem Online-Auktionshaus für Kunst, reichte Wolter und ihrem Team die ausschließlich virtuelle Präsentation nicht mehr. Sie wollten eine reale Galerie und sind mit Kunst nun in einer früheren Bankfiliale nahe der Innenstadt präsent. „Auf einmal hatten wir diese neun großen Schaufenster und die Idee, einen Raum für Kunst zu schaffen“, sagt die Geschäftsführerin. Der Blick durch die Fenster lässt manch Passanten abrupt innehalten: Sinnlich anmutende Dekolletés ohne den dazugehörigen Kopf lenken die Augen auf Schwarz-Weiß-Fotos bekannter Ikonen wie Marilyn Monroe, Madonna oder Simone de Beauvoir.

„Ich liebe Kunst, die nicht auf den ersten Blick erklärbar ist, die irritiert und Grenzen auslotet“, erklärt die Galeristin. Für die Bilder der Berliner Künstlerin Sabine Dehnel gelte genau das: der Betrachter der aktuellen Schau „STAY“ muss zweimal hinsehen, ob es Malerei oder Fotografie ist.

„Der Kunsthandel hinkt mit Blick auf den E-Commerce der Zeit hinterher“, sagt Wolter. Nach wie vor müssten Künstler wie Käufer überzeugt werden, was online alles gehe. „Da fühle ich mich manchmal immer noch wie ein Pionier.“ Thea Dymke vom Verband BVDG teilt ihre Ansicht. „Der Trend hin zum Digitalen ist da, wird aber von Vielen in der Kunstszene noch immer skeptisch beäugt.“

Kunst lebe von der Begegnung der Menschen untereinander sowie des Einzelnen mit ihr, betont Dymke. Es gebe zwar die ersten Onlinegalerien wie das Berliner Start-up Curart, das sich auf junge Künstler spezialisiert hat. „Aber denen fehlt noch das Standing“, sagt Dymke. „Eine Galerie bedarf immer noch eines Raumes.“ Auch im Bundesverband kann nur Mitglied werden, wer einen festen Ausstellungsort vorweisen kann.

Selbst bei Sammlern, die schon Kunst über das Internet erworben haben, zieht laut einer Umfrage des Spezialversicherers Hiscox immer noch jeder Zweite eine „echte“ Galerie vor. Aber das Online-Segment nimmt doch langsam Fahrt auf: Erzielte der weltweite Online-Kunsthandel 2013 etwas weniger als eine Milliarde Euro, sollen es 2019 schon 5,7 Milliarden Euro sein.

Von solchen Zahlen ist Konstanze Wolter weit entfernt, die globale Reichweite aber hat sie schon. Ihr Online-Handel für bildende Kunst hat inzwischen weltweit über 3000 Kunden, die Werke gehen mitunter von Chemnitz bis nach Südkorea und Australien auf die Reise.

Die Quereinsteigerin mit einem Faible für Kunst ist eigentlich Psychologin. Ihre zwei Kinder sind mittlerweile 15 und 17 Jahre alt. Wolter schlug 2009 nach Abschluss ihres Studiums eine Promotionsstelle an der TU Chemnitz in den Wind und wurde lieber Kunsthändlerin. Das nötige Wissen erwarb sie autodidaktisch. Gerade hat sie einen kleinen Ratgeber mit sieben Tipps für smarte Kunstsammler auf ihrer Webseite veröffentlicht. Die aktuelle Ausstellung ist noch bis zum 8. August zu sehen.