Eingriffe am Herzen nimmt sich das Gründerteam aus Dublin und München vor. Mit Technologie wollen sie die Erfolgschancen erhöhen – und dem Gesundheitssystem enorme Kosten sparen.

Wenn das Herz aus dem Takt gerät, rasend schnell und chaotisch schlägt, dann versuchen Ärzte oft per Katheter-Eingriff die Ursache zu beheben: Sie versuchen bestimmte Stellen am Herzmuskel zu finden, die die falschen elektrischen Impulse senden, und sie zu veröden. So soll das Herz wieder in seinen natürlichen Rhythmus finden. Ein schwieriger Eingriff, der häufig scheitert: Nur jeder zweite Versuch ist laut dem Medtech-Start-up One Projects erfolgreich – ein Wert, den die Gründer künftig deutlich erhöhen wollen.

Das sogenannte Vorhofflimmern ist der erste Anwendungsbereich, den Geschäftsführer Fionn Lahart und Technologiechef Christoph Hennersperger erobern wollen. Mit ihrer 2017 gegründeten Firma One Projects arbeiten sie an einer Technologie zur medizinischen Bildgebung, die sie unter dem Namen Verafeye an Kliniken vermarkten wollen. Konkret sollen Ärzte statt Aufnahmen in schlechter Auflösung künftig 4D-Modelle bei der Operation sehen können, mit Hilfe von neuen Sensoren und Software zur Bildanalyse: „Bislang fehlen Ärzten während der Behandlung genaue Bilder aus dem Herzen, deshalb können sie oft erst nachher feststellen, ob der Eingriff erfolgreich war – und häufig sind dann Nachbesserungen nötig“, erklärt Hennersperger im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer.

Unergründetes Gebiet

Nachfolgeoperationen und entsprechende Risiken für Patienten könnten laut dem Gründerteam verhindert werden, und die Kosten für das Gesundheitssystem deutlich reduziert werden. Denn Vorhofflimmern zählt auch zu den häufigsten Ursachen etwa für einen Schlaganfall. „Gerade bei der Behandlung von Vorhofflimmern hat der technologische Fortschritt in den vergangenen Jahren enorme Verbesserungspotenziale gebracht – etwa durch maschinelles Lernen in der Bildanalyse – allerdings sind diese Potenziale bisher weitgehend ungenutzt“, sagt der Technologiechef von One Projects, der die Entwicklung am Standort München leitet. Derzeit beschäftigt die junge Firma mit Sitz in Dublin insgesamt acht Mitarbeiter, will aber bis Ende des Jahres auf etwa 15 wachsen.

Die Aussichten haben jüngst auch Investoren überzeugt. Elf Millionen Euro fließen in einer Serie-A-Finanzierungsrunde an das deutsch-irische Medtech-Start-up, wie das Unternehmen vergangene Woche bekannt gab. Hauptinvestoren sind die Venture-Capital-Gesellschaft (VC) Life Sciences Partners, die über ihren niederländischen LSP Health Economic Fund einsteigt, sowie der auf Frühphasen spezialisierte irische Atlantic Bridge University Fund. An der Finanzierungsrunde beteiligen sich nach Firmenangaben außerdem die staatliche Wirtschaftsförderung Enterprise Ireland und mehrere internationale Medizintechnik-Unternehmer, die nicht namentlich genannt werden.

Vorbereitung auf Patienten-Studien

Das frische Kapital soll nun den Markteintritt vorantreiben, der sich aber noch einige Zeit hinziehen dürfte. Einen Termin nennt One Projects noch nicht, denn erst stehen weitere umfangreiche Tests an, bevor die Technologie an Patienten zum Einsatz kommt: „Wir haben nun mit Verafeye die erste Phase der präklinischen Entwicklung abgeschlossen und bereiten uns mit Hilfe der neuen Finanzierung neben der weiteren präklinischen Validierung auf die ersten klinischen Tests an Menschen vor“, so Hennersperger.

Wo das System zuerst zum Einsatz kommen wird, ist ebenfalls noch unklar, wie Geschäftsführer Lahart erklärt. Das Start-up verfolge beim Markteintritt eine zweigleisige Strategie, aufgrund der unterschiedlichen Zulassungsvorschriften: „Wir gehen Europa und USA parallel an, damit wir von möglichen Verzögerungen nicht zurückgeworfen werden“, so der Gründer. „Weil sich die regulatorischen Vorgaben in der EU aktuell sehr schnell ändern, gehen wir davon aus, dass der Markteintritt hier länger dauern wird als in den USA.“

Rege Konkurrenz in der Bildanalyse

Noch sieht sich das Start-up auf dem speziellen Anwendungsgebiet in der Kardiologie ohne Konkurrenz. In Zukunft aber wollen Lahart und Hennersperger auch weitere Bereiche in der Medizin angreifen: „Unser Ziel ist es, eine Plattform aufzubauen, die langfristig nicht nur Behandlungen am Herzen verbessern kann, sondern auch in anderen medizinischen Bereichen mit besserer Bildgebung helfen kann“, sagt der Geschäftsführer. Die Kombination aus einer neuen Sensorplattform und Bilderkennungstechnologie unterscheide One Projects von reinen Software-Start-ups in der Medizintechnikbranche.

Derzeit treiben zahlreiche junge Firmen die Bilderkennung in der Medizin voran, vor allem in der Radiologie: So will beispielsweise Contextflow, ein Spin-off der Medizinischen Universität Wien, mit Hilfe von Deep Learning die Diagnose unterstützen. Rivale Mediaire aus Berlin verspricht mit seiner Software verlässlichere Auswertungen von MRT-Aufnahmen der Gehirnregion. Und auf die Ultraschalluntersuchung des Herzens spezialisiert sich Caption Health aus dem Silicon Valley.