Die Start-up-Schmiede will deshalb auch nicht nur auf einen Konsumstrang setzen, sondern auf möglichst viele. In Indonesien, wo der Konzern schon Essens- und Modeplattformen betreibt, sollen nun auch noch Bezahlmöglichkeiten hinzukommen. Dass man die unterschiedlichen Plattformen gleichzeitig in mehreren Märkten hochzieht, soll sogar gut für die Finanzen sein: Dadurch verteile Rocket die Kosten, sagt Samwer. Und da man auf das gleiche Betriebssystem zurückgreifen könne, auch bei der IT.

Zahlen liefert dazu der Finanzchef Peter Kimpel – aber nur die schönen. Die sehen so aus: Der Bruttohandelsumsatz hat sich demnach von 744 Millionen Euro im Jahr 2013 auf nahezu 1,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr verdoppelt. Der Trend lässt sich auch beispielhaft an den Lieferdienst-Start-ups erkennen: Hellofresh verzeichnete demnach ein Umsatzplus von 380 Prozent, die Global Online Takeaway Group, in der Rocket seine Beteiligungen an Lieferdiensten bündelt, kam sogar auf ein Plus von 839 Prozent.

Wie lange reicht das Kapital noch?

Dass die „erfolgreichen“ Start-ups von Rocket Internet, die sogenannten Proven Winners, durchweg rote Zahlen schreiben, erwähnt Kimpel in seinem Vortrag allerdings nicht. Zu den Emerging Stars, Unternehmen mit weniger Umsatz und geringeren Finanzierungsrunden, sagt der CFO nur, dazu gäbe es noch keine aussagekräftigen Kennzahlen. Wenn die Gewinner schon Verluste schreiben, bleibt nur zu vermuten, wie es bei den Emerging Stars aussieht.

Der Anlegervertreter Malte Diesselhorst von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) will vielleicht auch deshalb wissen, wie lange das vorhandene Kapital noch reicht. Dass er das Geschäftsmodell von Rocket Internet zudem als schwer durchschaubar kritisiert, verwundert wenig.