Die Debatte spiegelte zumindest mal wieder, wie tief verankert die Bedenkenträgermentalität ist. Interessant war in diesem Zusammenhang auch die Frage aus dem Publikum, ob nicht auch die oft mangelnde Bereitschaft der hiesigen Konsumenten, neue Dinge auszuprobieren, ein entscheidendes Hindernis für den Erfolg von Start-ups sei. Aufgegriffen wurde dieser Punkt leider nur in der Frage, ob man in Berliner Geschäften mit Kreditkarte zahlen kann oder nicht.

Einmal mehr wurde auch über den Mangel an Kapital debattiert. „Tesla hätte auch in München erfunden worden sein können, aber wäre nie finanziert worden“, sagte Samwer. Er sprach sich auch mehrfach für ein stärkeres staatliches Engagement aus. So hätte die Bundesregierung 20 Milliarden in die Förderung Erneuerbarer Energien investiert aber nur ein bis zwei Milliarden in den Digitalbereich.

„Es gibt genug Geld in Europa“

Von Spahn, der im Finanzministerium direkten Einfluss hat, gab es keine Neuigkeiten in Sachen Start-up-Förderung, deren Bedeutung Politiker ja auch gern hervorheben, wenn sie mal wieder eine „neue Gründerzeit“ ausrufen. „Es gibt genug Geld in Europa“, entgegnete Spahn. Es sei eher ein Problem von Kultur und mangelnder Risikofreude. Wieso investiere ein texanischer Pensionsfonds in deutsche Start-ups aber die hiesigen nicht?, fragte der CDU-Politiker.

Irgendwann platzte TechHub-Mitgründer Mike Butcher ob all der Lamentos der Kragen: „We are good at this shit“. Es gäbe schließlich genug großartige und erfolgreiche europäische Unternehmen.

Und trotzdem werden wir ähnliche Diskussionen wohl noch lange führen. Denn die Antwort, wann Europa aufholt, ist für eine Szene, wo Veränderungen nicht schnell genug kommen können, ernüchternd. „Es ist eine Frage der Zeit“, sagt Skype-Gründer Niklas Zennström. Und auch der Yelp-Chef mahnte zur Geduld, schließlich habe das Silicon Valley auch Jahrzehnte gebraucht.

Was Unternehmer, Investoren oder Regierungen in Europa tun müssten, brachte Oliver Samwer am besten auf den Punkt: „Für meinen Rat genügen zwei Worte: Riskiert etwas!“