Das Start-up durchkämmt Datenbanken zum geistigen Eigentum. Ein Strategieschwenk stellte den Kontakt zur Dennemeyer Gruppe her – die übernehmen die Münchener jetzt.

Exakt 657.114 Patente waren zum Jahreswechsel in Deutschland gültig – global potenziert sich diese Zahl natürlich. Die Suche nach ähnlichen oder verwandten Schutzrechten wird daher immer komplexer. Das Münchener Start-up Octimine hatte sich seit 2015 daran gemacht, mit einer Software diese Recherche und Analyse zu vereinfachen. Jetzt haben die drei Gründer ihr Unternehmen verkauft: Die in Luxemburg gegründete Dennemeyer Gruppe, die sich auf Dienstleistungen und Beratungen rund um Patente spezialisiert hat, hat Octimine für einen unbekannten Betrag übernommen.

Die Möglichkeit zum Verkauf habe sich eher „überraschend” ergeben, berichtet Octimine-Mitgründer Matthias Pötzl im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Im vergangenen Jahr hatte das Start-up noch einen Millionenbetrag von Risikokapitalgebern eingeworben – darunter neben Bayern Kapital auch einige Privatinvestoren. „Wir waren auf dem Weg, die Zukunft selbst zu gestalten – doch das hätte in unserer Industrie länger gedauert“, berichtet Pötzl.

Neuer Fokus auf Firmenkunden

Nach der Kapitalerhöhung wurde unter anderem das Geschäftsmodell erweitert: Standen vorher einzelne Nutzer im Fokus, die ab einer bestimmten Anzahl von Recherchen zahlten, öffnete Octimine dann seine Schnittstellen für andere Firmen. Deren Patentabteilungen suchen ebenfalls nach Hilfe, um den Schutz ihrer Ideen zu beschleunigen.

Doch das Lizenzgeschäft sorgte schnell für wachsende Umsätze und stellte auch den Kontakt zu Dennemeyer her. Die Luxemburger, bis heute ein eigentümergeführtes Unternehmen, haben sich seit den 60er-Jahren auf das Geschäft um Patente spezialisiert und hatten bereits in den vergangenen Jahren sowohl andere Kanzleien als auch passende Softwarefirmen in die Gruppe integriert.

Die neue Akquisition von Octimine solle nun helfen, das „exponentielle Wachstum von Patenten und Veröffentlichungen“ mithilfe von Big-Data-Algorithmen zugänglich zu machen, lässt sich Dennemeyer-Vorstandschef Reinhold Nowak zitieren. „Die Geschäftsfelder ergänzen sich sehr gut“, ist auch Pötzl überzeugt, „Dennemeyer macht alles rund um die Anmeldung von Patenten, unsere Software deckt die Bereiche Recherche, Analyse und Bewertung ab.“

Weltweiten Patentmarkt im Visier

Entstanden war das Start-up als Ausgründung aus der Ludwig-Maximilian-Universität in München sowie dem dortigen Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb, ihr betreuender Professor Dietmar Harhoff war bis zuletzt als wissenschaftlicher Beirat tätig. Das 16-köpfige Team inklusive der beiden aktiven Gründer, neben Pötzl noch Michael Natterer, wechselt nun komplett unter das Dach des Käufers.

Nun soll das Produkt weltweit zum Einsatz kommen: „Wir profitieren vor allem von dem internationalen Vertrieb, das wäre für uns sehr aufwändig geworden“, sagt Pötzl. Dennemeyer ist nach eigenen Angaben mit 24 Büros auf allen Kontinenten vertreten.

Inhaltlich sieht Mitgründer Natterer für Octimine, das unter der Marke weitergeführt werden soll, vor allem im Bereich der Künstlichen Intelligenz noch viel zu tun: „Bei Machine Learning und Natural Language Processing gibt es auf jeden Fall noch Potenzial– da möchten wir noch einiges schaffen.“ Bei von Dennemeyer geschätzten 100 Millionen Patentdokumenten auf der Welt dürfte die Datenbasis für diese Aufgabe gesichert sein.