Was können große Unternehmen von Start-ups lernen?
Reker: Eine hohe Innovationskraft und große Flexibilität sind Dinge, die viele Start-Ups großen Unternehmen bereits vormachen. Dennoch ist gerade das unternehmerische Risiko für beide Unternehmensarten nicht vergleichbar. Am ehesten können große Unternehmen von Start-Ups die Kreativität als Geschäftskonzept lernen.
Ott: Start-ups können die Ideenschmiede großer und etablierter Unternehmen sein – sozusagen ihre eigene Innovationswerkstatt, bevor sie am Markt von genau diesen überholt werden, denn häufig fehlt es den Unternehmen am Innovationsmanagement. Dabei sind Start-ups Querdenker und schnell lernende Einheiten, die ergebnisoffen und flexibel experimentieren. Viele Unternehmen haben das Potential bereits begriffen.

Bild-Jochen-Zuschnitt

Jochen Ott ist der SPD-Chef in Köln – und stellvertretender Landesvorsitzender. Der 41-Jährige studierte Geschichte und Sozialwissenschaften und war bis 2010 Lehrer an einer Gesamtschule in Brühl. Seit dem sitzt er als Abgeordneter im Landtag.

Wie soll Köln gerade für Start-ups attraktiv werden?
Reker:
Köln hat mit seinem hervorragenden Breitbandnetz, der Universität und dem legendär toleranten Klima alle Voraussetzungen für eine lebendige und erfolgreiche Start-up Szene. Ich will diese Tatsache im Stadtmarketing viel stärker zur Geltung kommen lassen. Zudem möchte ich es gründungswilligen jungen Menschen in Köln einfach machen: Die Verwaltung soll Start-ups mittels sogenannter Bürokratielotsen und veränderten Prozessen im ersten Jahr von bürokratischen Informations- und Berichtspflichten befreien.
Ott: Köln soll nationaler und internationaler Start-up-Hub werden. Im Rahmen der digitalen Landesstrategie wird das Land bis zu fünf regionale digitale Hubs für Start-ups ausschreiben und fördern – als Oberbürgermeister werde ich dafür sorgen, dass Köln sich um einen Hub bewirbt. Ich möchte Start-ups bieten, was Start-ups brauchen: Raum, Geld und Anerkennung! Durch die erste digitale Städtepartnerschaft mit unserer Partnerschaft Tel Aviv möchte ich Köln auch für internationale Startups attraktiv machen.

Was muss sich deshalb an der Infrastruktur ändern?
Reker: Kölns Breitbandnetz ist bereits hervorragend, das bestätigen uns auch namhafte Studien. Gründerinnen und Gründer sind jedoch nicht nur digital unterwegs. Wer analog im Stau steht, hat ebenso ein Problem wie derjenige, der mit einer langsamen Internetverbindung zu kämpfen hat. Viele Start-ups im analogen Bereich kommen so in ernste Schwierigkeiten. Wenn Köln Deutschlands digitale Hauptstadt werden will, müssen wir den Titel „Stauhauptstadt Deutschlands“ auch schnellstmöglich wieder ablegen.
Ott: Ich werde bestehende Gründerräume stärken und dafür sorgen, dass mehr günstiger und technisch gut ausgestatteter Raum zur Verfügung steht. Als Oberbürgermeister werde ich die Türen öffnen, für die Vernetzung der digitalen Start-ups und der „Old Economy“. Ein neuer Gründergipfel für Köln als Kongressprogramm soll eine hochqualifizierte Netzwerkplattform werden. Ich werde die Digitalisierung außerdem zur Chefsache machen und schaffe die Stelle eines Beauftragten für Digitalisierung und digitale Wirtschaft direkt in meinem Büro.