Verbände und Wirtschaftsministerium verabschieden eine ehrgeizige Erklärung. Auch andere Bundesländer buhlen verstärkt um Start-ups und Investoren.

Mehr Gründungen, mehr Gründerinnen, mehr Kapital: Ehrgeizige Ziele, um die Start-up-Szene voranzubringen, haben Politik und Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen in dieser Woche verabschiedet. Das Wirtschaftsministerium, Unternehmerverbände, Handels- und Handwerkskammern sowie der Bundesverband Deutsche Startups haben ihre Unterschriften unter die Erklärung „Neue Gründerzeit“ (hier als PDF) gesetzt.

Gemeinsam wolle man das bevölkerungsreichste Bundesland zu „einer der ersten Adressen für Gründung und Unternehmertum machen – attraktiv auch für Start-ups aus dem Ausland“, heißt es in dem Dokument. Damit ist NRW nicht allein. Viele Bundesländer haben in den vergangenen Jahren ihre Unterstützung für Start-ups massiv hochgefahren. In Baden-Württemberg entstehen regionale Förderzentren, in Bayern, Hessen und anderswo wurden staatliche und halbstaatliche Fonds aufgepumpt. Das meiste Risikokapital, so zeigen es jedoch auch aktuelle Zahlen, fließt trotzdem weiter in Berliner Start-ups.

Förderbescheid für mehr Ausgründungen an Unis

Erste Ansätze hat NRW in der Vergangenheit bereits auf den Weg gebracht: So können sich Gründerteams seit einem Jahr für ein Stipendium bewerben, dass die Lebenshaltungskosten in der frühen Phase abdecken soll. Und sechs Hochschulen dürfen sich auf eine üppige Finanzierung freuen, um ihre Start-up-Ausgründungen auszubauen. Der erste Förderbescheid über 23 Millionen Euro wurde Anfang dieser Woche an die RWTH Aachen übergeben.

In den kommenden Jahren soll in NRW darüber hinaus ein Women Entrepreneurship Center, ein Female Incubator Programm und ein landesweites Mentorinnen-Netzwerk. So will das Bundesland die Zahl der Gründerinnen stärken, die in Start-ups immer noch in der Minderheit sind. Ein digitales Gewerbe-Portal soll dabei helfen, die bürokratischen Hürden bei der Unternehmensgründung zu reduzieren.

Viel Raum nimmt das Thema Risikokapital ein. Hier will NRW große Sprünge nach vorne machen. Eine halbe Milliarde Euro pro Jahr sollen Start-ups in dem Bundesland bis 2022 pro Jahr einsammeln – das wäre in etwa eine Vervierfachung des Status Quo. Mit dem HTGF hat der aktivste deutsche Frühphasenfinanzierer seinen Hauptsitz in Bonn. Die Rheinische Post spekuliert nun, dass ein regionales Pendant entstehen könnte, um mehr Geld zu sammeln und es besser zu verteilen.

Investoren sollen sich an Rhein und Ruhr ansiedeln

Die meisten Risikokapitalgeber aber eröffnen bislang ihre Büros in Berlin – oder fliegen direkt aus London ein, um deutsche Start-ups unter die Lupe zu nehmen. NRW will das nun ändern. „Auch Kapitalgeber aus dem Ausland sind wichtig für die bessere Ausstattung unserer Start-ups mit Wagniskapital“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Wenn es gelänge, sie ins Land zu holen, „kann das zusätzlich ein Signal auch für heimische Venture-Capital-Gesellschaften und Family Offices sein, mehr in Nordrhein-Westfalen zu investieren.“

Einige der traditionsreichen Familienunternehmen und Konzerne im Bundesland haben sowohl das nötige Kapital als auch die Motivation, sich enger mit Start-ups zu verknüpfen. Vor wenigen Tagen kündigte der Aachener Lebensmittelhersteller Zentis den Aufbau einer Investment-Gesellschaft an.