Denn die Angst vor dem beziehungsweise die Vorfreude auf den nächsten Revolutionär beschäftigen alle Industrien gleichermaßen: Versicherungen, Werbung, Autos, Einzelhandel. Auf der Bühne diskutierten und referierten Politiker, Konzerne, Start-ups und Investoren über die aktuellen Spieler und diejenigen, die sie einmal verdrängen könnten. Wie schnell das gehen kann, zeigte Vergleichsportal Verivox bei seiner Präsentation: Von den Fortune 500 aus dem Jahr 1990 sind 25 Jahre später 70 Prozent verschwunden.

Die Start-ups hoffen, dass sie einmal diejenigen sind, die neu in diese Liste aufrücken werden. Die Konzerne hingegen hoffen, dass sie unter den 30 Prozent sind, die überleben. Auf der Noah-Konferenz nutzten die aufstrebenden Unternehmen ihre zehnminütige Bühnenzeit dementsprechend auch, um sich selbst zu loben: Werbe-Start-ups wie Smaato oder Adtelligence, um die Reichweite ihres Marketings anzupreisen; Smart-Home-Anbieter wie Lofts to Go und One Aim, um mobile Fertighäuser und smarte Türen vorzustellen; Lebensmittelplattformen wie Hellofresh und Delivery Hero, um das Konzept ihrer Lieferdienste zu bewerben.

Von Google wollen alle lernen

Die Konzerne hingegen konzentrierten sich darauf, ihre Probleme mit der Digitalisierung zu schildern – etwa im Fall der Lufthansa – oder den Start-ups eine Zusammenarbeit anzubieten, wie etwa CommerzVentures. Und die Politiker beweihräucherten ihre eigenen Programme und forderten in abgedroschenen Phrasen vieles, aber nichts neues.

Und auch die Themen klangen nicht sonderlich innovativ, sondern fast schon altbacken. Dass das Smartphone und Big Data die Welt verändern, darin schienen sich alle einig. Doch der Frage, ob diese Aspekte nicht eher die heutige Wirtschaft beschreiben und ob sie morgen überhaupt noch ein Thema sein werden, ging niemand nach.

Die wahren Stars der Konferenz kamen denn auch von Ex-Start-ups, wenn man so will; von Unternehmen, die einmal mit einer Idee die Welt revolutionierten, nun aber selbst Konzerne sind: Google-Chairman Eric Schmidt, Huffington-Post-Gründerin Arianna Huffington, Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer. Von ihnen wollten alle lernen. War das Tempodrom bei den Start-up- und Politiker-Vorträgen eher spärlich gefüllt, sprachen die namhaften Unternehmer vor vollem Saal.