Die Siegerin des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs Neumacher steckte zuletzt viel im Messetrubel. Über neue Kunden und nervige Verwechslungen berichtet sie im Gründertagebuch.

Anna Rojahn hat mit ihrem Start-up Fast Forward Imaging eine Technologie entwickelt, mit der  Gegenstände vor verschiedenfarbigen Hintergründen fotografiert werden. Kurz darauf erscheint ein Bild des Produkts, das automatisch vom Hintergrund freigestellt wird und sich per Klick um die eigene Achse drehen lässt – besonders für Online-Shops ist das interessant.

Mit der Idee überzeugt Gründerin Anna Rojahn Kunden, Investoren und die Jury des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs Neumacher, den sie im Herbst 2014 gewann. Inzwischen haben die Berliner verschiedene Varianten ihrer Fototechnik entwickelt. Im Gründertagebuch berichtet Rojahn über die neuesten Entwicklungen ihres Start-ups.

9. April 2015

Unser erstes Arbeitsmeeting mit der renommierten Kreativagentur thjnk. Als Bestandteil des Neumacher-Preises haben wir ein Kontingent bei thjnk und werden in den kommenden Wochen unsere Kommunikation und unseren Auftritt überarbeiten.

Die Kreativen legen natürlich sofort den Finger in die Wunde: unsere Website muß dringend überarbeitet werden. Die zentrale Herausforderung liegt darin, die Vorzüge unserer Technologie für die unterschiedlichen Industriezweige trennscharf darzustellen. Wir haben uns ja von Anfang an dazu entschieden, uns nicht nur für einen Nischenmarkt zu positionieren und zählen deshalb eine große Bandbreite von unterschiedlichen Kunden – von Lebensmitteln über Maschinenbau und Interior Design bis hin zur Mode – zu unserem Portfolio.

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17. April

Heute sind wir beim Hitmeister Ecommerce Day in Köln: eine extrem nette Veranstaltung, bei der wir mit potenziellen Kunden, Verbänden und Onlinehandelsplattformen ins Gespräch kommen. Als Bonus gibt es eine Reihe von informativen und interessanten Präsentationen; ein rundum gelungener Tag.

Parallel erreicht mich die Nachricht, dass unser neuer Berliner Kunde bereits eine Woche nach der Einführungsschulung einen Durchsatz von 96 fotografierten Artikeln pro Tag geschafft hat – ein tolles Ergebnis, denn die Bilder müssen ja nicht mehr nachbearbeitet werden und landen direkt auf der Website des Kunden.

Abends wird leider mein Rückflug von Köln gestrichen, und am Flughafen kommt es zu chaotischen Szenen; mit mehreren Stunden Verspätung schaffe ich es irgendwann zurück nach Berlin.

28. April

Studiobesuch mit Testshooting von einem Berliner Personal Shopping-Startup. Besondere Fragestellungen sind die Farbechtheit bei dunklen Farben: Ist der Pullover navy oder ultramarin? Das gilt auch für die Darstellungsgenauigkeit bei feinen Mustern. Für uns ist das zum Glück überhaupt kein Problem, und der Stylist, der das Shooting seitens des Kunden begleitet, ist hellauf begeistert.

30. April

Gemeinsam mit dem Team von unserer Partneragentur eShot besprechen wir die Integration des Minime-Prototypen in die tägliche Fotoproduktion. Es gibt jede Menge konstruktives Feedback und eine Reihe von tollen neuen Ideen, wie wir das Gerät noch weiter verbessern können. Felix, mein Head of R&D, nimmt eine lange Liste von möglichen Weiterentwicklungen mit, und ich kann anfangen, mir Gedanken über den offiziellen Launch des Geräts zu machen.

Auch wenn es oft im Tagesgeschäft untergeht: eine solche Neuentwicklung, die auch noch gemeinsam mit einem tollen Partner für eine ganz spezielle Aufgabenstellung entwickelt worden ist, hat ein gewaltiges Potential, Prozesse in großen Fotostudios nachhaltig zum Besseren zu verändern. Das wollen wir natürlich auch in der Kommunikation in das richtige Licht rücken.

06. Mai

Spontan haben wir die Gelegenheit bekommen, uns im #Fashiontech-Areal der re:publica zu präsentieren. Also laden wir unser reisefähiges XS-Gerät für Objekte mit einer Kantenlänge von maximal 28cm ins Auto, und gemeinsam mit unserer Werksstudentin Laura verbringe ich zwei Tage auf der re:publica. Irgendwann bin ich zwar in Versuchung, uns T-Shirts mit der Aufschrift “No, this is not a 3D-Printer” drucken zu lassen, aber wir haben eine Menge Spaß. Wie so oft: wenn etwas blitzt und blinkt und sich bewegt, ist es ein Publikumsmagnet… Gemeinsam mit einem der Gründer von eShot gebe ich noch einen Kurzvortrag zum Thema Entwicklungs-Kollaborationen, und dann geht es zurück ans Tagesgeschäft.

19. Mai

Im Rahmen unserer wöchentlichen Abstimmung diskutieren unsere Vertriebsspezialistin Kristin und ich sehr intensiv über die eigentlich geplante Auslagerung des Studio-Service an unsere Partneragenturen. Da es viele Kunden gibt, die unsere Bilder erstmal im Rahmen eines Tests einsetzen möchten, bevor sie ein Gerät bei sich aufstellen, macht es einfach mehr Sinn, wenn wir solche Shootings weiterhin selbst anbieten. Denn im Rahmen der großvolumigen Studioshootings klären sich üblicherweise alle Fragen, die für den perfekten Zuschnitt eines Geräts für die spezifischen Kundenanforderungen wichtig sind.

So haben wir neulich eine Reihe von Weinflaschen aufgenommen und hatten innerhalb kürzester Zeit eine perfekte Box-Innenausstattung und Lichtsetzung definiert; damit können wir dem Kunden nun eine perfekt auf ihn zugeschnittene Gerätevariante anbieten.

Ähnliche Erfahrungen haben wir auch für Uhren und Schmuck gemacht – ich kannte mich zwar mit der Problemstellung aus meiner früheren Tätigkeit als Produktmanagerin für eine renommierte Schmuckmarke bereits ziemlich gut aus, aber ein Studioshooting liefert einfach eine perfekte Grundlage für die exakten Spezifikationen.

Alle Folgen des Gründertagebuchs finden Sie hier.

Für die nächste Runde des Gründerwettbewerbs Neumacher können Sie sich hier bewerben.