Mit der Plattform des Start-ups können Firmen individuelle Software-Anwendungen bauen. Die gibt es oft auch von spezialisierten Anbietern. Doch die Gründer werben mit einem Geschwindigkeitsvorteil. Das überzeugt auch Investoren.

Die passenden Rechtsvorschriften aus einer Datenbank, ein modernes Auftragsmanagement für die Textilbranche, eine Planungssoftware für die Bauwirtschaft: Nur drei von äußerst unterschiedlichen Anwendungsfällen, hinter denen das Start-up Ninox steht. Das Berliner Team bietet digitale Vorlagen, mit denen Unternehmen individuelle Anwendungen für die eigene Organisation erstellen können. Man sei ein „Baukasten für Unternehmenslösungen“, sagt Mitgründer Frank Böhmer gegenüber WirtschaftsWoche Gründer.

Die Idee: Als sogenannte No-Code-Plattform können Fachabteilungen selbst die passenden Bausteine für die gewünschte Software zusammenziehen. Programmierer müssen nicht mehr aktiv werden. So soll mit überschaubarem Aufwand die Anwendung entstehen, die ein spezifisches Problem löst. Das Start-up Bryter tritt mit einem ähnlichen Ansatz auf, konzentriert sich aber auf den Rechtsmarkt.

3000 Firmen nutzen die Plattform

Nach eigenen Angaben wurden die Basis-Apps des 2013 gegründeten Start-ups bereits 350.000 Mal heruntergeladen. Für die Cloud-Variante sollen sich 75.000 Nutzer registriert haben. In 3000 Firmen soll die Plattform zum Einsatz kommen. Als Referenzkunden nennt Ninox unter anderem Thyssen-Krupp System Engineering, den Schweizer Einzelhändler Migros und das Immobilienteam von Generali Real Estate. Das Start-up lässt sich pro Nutzer und Monat bezahlen.

Die Palette der möglichen Anwendungen, die entstehen können, ist breit. Ninox hält etwa Vorlagen für die Warenwirtschaft, das Kundenbeziehungsmanagement (CRM) oder die Rechnungslegung bereit. Der Anstoß für neue Vorlagen komme von den Nutzern, sagt Böhmer.

Antreten gegen spezialisierte Software

Doch die Breite des Angebots ist auch eine Herausforderung: Für viele Anwendungsbereiche gibt es spezialisierte Softwareanbieter – die häufig auch immer stärker daran arbeiten, den Nutzern eine individualisierte Version bereitzustellen. Eine ganze Palette an Tech-Konzernen tritt etwa bei CRM-Systemen an. Zudem stürzen sich Start-ups darauf, auch spitzere Softwarebranchen zu bedienen. Apiax etwa will es Firmen vereinfachen, wichtige Rechtsvorschriften für die Fachabteilungen aufzubereiten.

Doch Mitgründer Böhmer sieht Ninox gegenüber solcher Konkurrenz gut aufgestellt. „Es gibt ja einen Grund dafür, warum in den Fachbereichen die tägliche Arbeit häufig noch mit Excel und vergleichbaren Tools unterstützt wird: Standardlösungen lassen sich oft nur mit hohem Aufwand auf die Umgebung der Kunden anpassen“, sagt Böhmer. So kämen Anwender schneller und günstiger zum Ziel als mit Standard-Software, die dann angepasst werden müsste.

2,7 Millionen Euro von Investoren

Investoren sehen ebenfalls Vorteile für den Software-Baukasten. Das Start-up hat kürzlich eine Finanzierungsrunde über 2,7 Millionen Euro abgeschlossen, wie WirtschaftsWoche Gründer vorab erfahren hat. Das Geld stammt vom kürzlich offiziell gestarteten Industrial Tech Fund des Risikokapitalgebers btov Partners und aus dessen angeschlossenen Investoren-Netzwerk.

Das Start-up ermögliche es „Industrie und Mittelstand, wichtige Digitalisierungsschritte schenll und einfach selbst in die Hand zu nehmen“, sagt btov-Partner Benedikt Kronberger. Daneben beteiligen sich der US-Accelerator Techstars sowie Jan Bielinski, ein ehemaliges Vorstandsmitglied des Privatbank Julius Bär. Das Ninox-Team soll nun von 15 auf 35 Mitarbeiter anwachsen, auch die Führungsspitze soll dafür verstärkt werden. Besonders gesucht: Helfer für Vertrieb und Marketing.