Mit der App von Neuronation trainieren bereits Millionen Nutzer ihr Gehirn. Co-Gründer Jakob Futorjanski erklärt, wieso Kinder in Memory so schwer zu schlagen sind.

Neuronation bietet spielebasierte Übungen an, mit denen die Gehirnleistung gesteigert werden soll. Dabei arbeiten sie mit Ärzten von der Charité und Wissenschaftlern zusammen. Ursprünglich war das Gründungsteam neben dem Studium als Spieleentwickler tätig. Als 2011 ein Professor für Psychologie Hilfe bei der Entwicklung eines Gaming-Ansatzes für seine Studie zur Erhöhung des Arbeitsgedächtnisses brauchte, kamen sie mit „Gehirnjogging“ in Berührung. Heute sind sie mit über 4 Millionen Nutzern laut eigenen Angaben Europas führender Anbieter für Gehirntraining im Web.

WirtschaftsWoche Gründer: Was kann Gaming für Bildung leisten, was die herkömmlichen Methoden nicht können?
Jakob Futorjanski:
Für den Erfolg sind vor allem Motivation und Intensität entscheidend. Gute Spiele schaffen es ihre Nutzer für lange Zeit in höchste Konzentration zu versetzen und verlangen signifikante kognitive Leistungen ab. Wichtig dabei: Die Spieler empfinden die Herausforderung nicht als Belastung.

Die Markteinführung war im Jahr 2011. Kann jemand, der von Beginn an eure App kontinuierlich nutzt, seine Gedächtnisleistung in Zukunft überhaupt noch weiter verbessern?
Ja. Die Personalisierung von Neuronation garantiert, dass jedes Mitglied genau an seiner Leistungsgrenze trainiert und diese ständig erhöht. Dadurch kann ich mich, auch nach vier Jahren Gehirntraining, immer noch verbessern. Der intelligente Algorithmus passt sich jedem einzelnen Nutzer an und bleibt dadurch motivierend.

Wenn man gegen Kinder Memory spielt, hat man häufig keine Chance. Woran liegt das?
Die Auffassungsgabe von Kindern ist enorm. Ihr Gehirn ist es gewöhnt, neue Inhalte aufzunehmen. Sie sind besser trainiert als Erwachsene. Kognitive Fähigkeiten bauen jedoch nach dem 25. Lebensjahr ab, gerade deshalb ist die Förderung unseres Gehirns so wichtig. Genau hier versuchen wir mit Neuronation anzusetzen: Wir wollen unsere Lernfähigkeit steigern.

Wie viel muss ich trainieren, damit ich eine signifikante Verbesserung merke?
Studien zeigen, dass die Wirkung von personalisiertem Gehirntraining ab circa sechs Wochen nachhaltige Verbesserungen hervorbringt. Runtergerechnet sind das ca. 15-30 Minuten pro Tag, circa drei bis fünf Tage die Woche. Jedoch ist es natürlich individuell und Sie sollten es selbst ausprobieren.

Sinkt die Leistung mit der Zeit wieder ab oder wie viel muss ich tun, damit das verbesserte Level gehalten wird?
Unser Gehirn reagiert wie ein Muskel. Je mehr wir trainieren, desto leistungsfähiger wird es. Wochenlange Intervalle des Nichtstuns wie im Urlaub oder bei einem Krankenhausaufenthalt können sogar den IQ senken. Kontinuierliches Training hält unser Gehirn also auf Trab.

Selbst Kleinkinder lernen schon den Umgang mit Tablets. In einem Youtube-Video ist zu sehen, wie ein Baby am Durchblättern einer Zeitschrift scheitert, weil die erlernte Wischtechnik vom Tablet hier nicht funktioniert. Müssen sich die Eltern Sorgen machen?
Die Einführung digitaler Medien ist nicht aufzuhalten und das ist gut so. Dadurch können sich Kinder schneller und individueller entwickeln. Ich bin ein Freund von Spielen, weil es die Logik und den Willen trainiert. Wir lernen durch das Spiel nicht aufzugeben und immer wieder neue Versuche zu starten um Herausforderungen zu meistern. . Meines Erachtens sollte man wie meist auf die Ausgewogenheit achten.

Wie wird sich die Zukunft des Lernens entwickeln?
In Zukunft werden immer mehr Gaming-Elemente unser berufliches und privates Leben durchdringen. Diesen Trend beobachten wir seit Jahren: Große Bildungseinrichtungen und Gesundheitsakteure kontaktieren uns, um sich unsere Erfahrungen anzuhören. Spielerisches Lernen ist auf dem Vormarsch.