Mit Künstlicher Intelligenz will das Start-up aus Lausanne die computerbasierte technische Entwicklung von Produkten verbessern – unter anderem der High-Tech Gründerfonds zieht mit.

Ein Fahrrad mit minimalem Luftwiderstand designen, optimale Tragflächen für ein möglichst schnelles Gleitboot entwerfen: Um technische Herausforderungen zu lösen und bessere Prototypen zu entwickeln, experimentiert das Schweizer Start-up Neural Concept mit Künstlicher Intelligenz (KI). Mit seiner Simulationssoftware hat das Spin-off des Computer Vision Labors der EPFL („L’Ecole polytechnique fédérale de Lausanne“) nun den High-Tech Gründerfonds (HTGF) aus Bonn als Investor gewonnen, wie aus einer heute veröffentlichten Pressemitteilung hervorgeht. Der halbstaatliche Frühphasenfinanzierer steckt zusammen mit Risikokapitalgeber Constantia New Business (CNB) aus Wien einen Millionenbetrag in die junge Firma.

Das 2018 gegründete Start-up aus Lausanne richtet sich an Unternehmen aus der Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt, Robotik sowie der Energiewirtschaft und verspricht, mit Hilfe von KI die technische Entwicklung zu verbessern. So soll ein selbstlernender Algorithmus neue Design-Impulse und Ideen zur Veränderung von Produkten liefern – und dabei Zeit sparen für die Ingenieure und Designer. Konkret soll die Software nach Firmenangaben in der Lage sein, die bislang CAD-basierten Simulationen deutlich zu beschleunigen: von mehreren Tagen auf einige Minuten oder Sekunden.

Basis bilden mehrere Forschungsarbeiten

Ziel ist, von der KI automatisiert die optimalen Lösungen für bestimmte technische Anforderungen entwickeln zu lassen. Dafür trainiert das Start-up seine sogenannte Deep-Learning-basierte Software darauf, 3D-Formen zu verstehen und dadurch die Ergebnisse von Simulationen vorhersehen zu können. Um das Programm zu schärfen, wird es mit CAD- und Simulationsdaten gefüttert.

Der wissenschaftliche Hintergrund stammt aus mehreren Forschungsarbeiten an der EPFL in Lausanne: So haben sowohl CEO Pierre Baqué als auch CTO Timur Bagautdinov zum Thema KI promoviert. Der Geschäftsführer entwickelte zuvor bereits ein KI-basiertes Trading-Tool für die Großbank Credit Suisse, der Finanzchef war für Facebook und die Suchmaschine Yandex als KI-Forscher und Entwickler tätig.

Abschub für Neural Concept bekamen die Gründer vom Förderprogramm Venture Kick, das Projekte in der Seed-Phase unterstützt. Hinter der Schweizer Initiative steht ein privates Konsortium sowie die Stiftung Digitalswitzerland und der Stiftungsfonds Venture Kick.

Intelligente Algorithmen ziehen Investoren an

Mit dem Trendthema KI sammeln derzeit viele Start-ups aus verschiedenen Branchen Risikokapital ein: Mehr als eine Million Euro ging Anfang Mai an das Münchener Start-up Rfrnz, das mit einer Software Verträge durchsucht und relevante Klauseln identifiziert. Mit einem digitalen Assistenten für Vertriebsteams konnte sich Seriengründer Stefan Groschupf aus Halle im März umgerechnet fast 13 Millionen Euro von Investoren sichern. Er steuert sein US-amerikanisches Start-up Automation Hero von San Francisco aus. Das Wiener Start-up MoonVision spezialisiert sich auf computergestützte Objekterkennung und erhielt dafür im Februar eine Million Euro.