Erfolgreiche Deals aus der Ferne, kaum Reisen – aber noch enger getaktetere Kalender: Investor Acton Capital blickt auf ereignisreiche Wochen zurück. Und setzt wieder auf mehr Büropräsenz nach der Sommerpause.

Viele Jahre ging es für viele Start-ups aufwärts, dann kam die Coronakrise. Nach langen Wochen mit Kontaktbeschränkungen, lahmgelegten Betrieben und Homeoffice können Gründer, Mitarbeiter und Investoren nun wieder loslegen und müssen sich erneut sortieren. In unserer Sommerserie fragen wir Akteure aus dem Start-up-Ökosystem, wie die neue Normalität für sie aussieht – und wie sie die vergangenen Wochen überstanden haben. Heute berichtet Christoph Braun, Managing Partner des Münchener Investors Acton Capital. Der Risikokapitalgeber ist aktuell mit seinem fünften, gut 200 Millionen Euro schweren Fonds unterwegs. Zu den insgesamt gut 85 Beteiligungen gehören beispielsweise Hometogo oder Expertlead. In dieser Serie waren zuvor bereits die Start-ups Getsafe, Inhubber und Coachhub zu Gast.

Herr Braun, was wird nach der Krise anders werden?
Die letzten Monate waren auf Effizienz, nicht auf Inspirationen getrimmt. Davon profitiert der Umgang mit Regelprozessen, die deutlich schneller und sehr ergebnisorientiert ablaufen. So haben wir in den letzten Wochen zwei neue Investments (Laserhub und SoSafe), zwei weitere Finanzierungsrunden (u.a. Zenjob) und einen Exit (momox) abgeschlossen – alle Deals in recht schneller Frequenz und erstmals ‚fully remote‘. Was aktuell dagegen deutlich zu kurz kommt sind diese „Out-of-the-box“-Ideen und „Serendipity“-Momente, die für innovative Ideen abseits der traditionellen Abläufe und damit für unsere Branche so wichtig sind.

Was haben Sie über Ihre Portfolio-Unternehmen gelernt?
Fast alle unsere Portfolio-Gründer erleben aktuell ihre erste Krise. Dennoch hat kein einziges Team panisch reagiert, sondern zuerst an die Sicherheit der Mitarbeiter und Kunden gedacht und anschließend das Geschäft stabilisiert. Obwohl Unternehmer eigentlich immer mit Herausforderungen konstruktiv umzugehen wissen, hat es uns tief beeindruckt, wie jeder Einzelne in den letzten Monaten nochmal persönlich gewachsen ist.

Wie haben Sie selbst die Krise gespürt? Wie waren die letzten Wochen?
Die wahrgenommene Arbeitsbelastung ist jetzt anders verteilt. Unsere Reisetätigkeit liegt nach wie vor bei weniger als zehn Prozent im Vergleich zu vor Corona. Das wird sich auch in naheliegender Zukunft nicht ändern. Es fehlen die vielen Leerzeiten auf An- und Abreisen vor allem bei internationalen Board-Meetings und Konferenzen. Andererseits ist der Tagesablauf durch virtuelle Termine noch deutlich mehr getaktet als sonst. In den letzten Monaten hat sich – für uns selbst überraschend – unsere interne Kommunikation verbessert. Seit Mitte März treffen wir uns als gesamtes Team beispielsweise täglich fürs Portfolio-Update. Was uns derzeit allerdings fehlt, ist der Austausch von „Halbdaten“. Relevante Information die nicht auf die Agenda passt, fällt derzeit ein wenig unter den Tisch. Ab September planen wir deshalb eine deutlich höherer Büropräsenz. Nicht nur, damit diese wichtigen Halbdaten nicht verloren gehen, sondern auch um unsere neuen – und zum Teil ‚fully remote“ eingestellten – Mitarbeiter wirklich als Team einarbeiten zu können.

Und wie geht es Ihnen jetzt?
In dem Segment des Marktes in dem wir uns als VC bewegen, ist die Denkweise naturgemäß optimistisch und der Trend zur Digitalisierung ungebrochen.  Dennoch gab es natürlich Unternehmen, die stark von der Corona-Krise betroffen waren, einige negativ, andere aber sogar sehr positiv. In Summe sind wir aber sehr zufrieden, wie die Unternehmen im akuten Stadium reagiert haben und sich nun wieder auf das Wachstum konzentrieren. Jede Krise ruft auch neue Unternehmen auf den Plan. Wir sehen unverändert sehr gute Startups in der Pipeline – trotz des klassischen VC-Sommerlochs. Das heißt wir selbst bleiben voraussichtlich ähnlich produktiv wie bisher und werden weiter in entsprechende Geschäftsmodelle investieren können. Insgesamt wechselt die Ausrichtung derzeit überall vom kurzfristigen „Corona-Denken“, zurück zum langfristigen Planen. Und genau da müssen wir auch wieder hin.

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