In der Krise kauften Menschen auch Versicherungen online, registrierte Getsafe erfreut. Das Insurtech wuchs kräftig in der Krise – dem Gründer fehlte jedoch der persönliche Austausch.

Viele Jahre ging es für viele Start-ups aufwärts, dann kam die Corona-Krise. Nach langen Wochen mit Kontaktbeschränkungen, lahmgelegten Betrieben und Homeoffice können Gründer, Mitarbeiter und Investoren nun wieder loslegen und müssen sich erneut sortieren. In unserer Sommerserie fragen wir Akteure aus dem Start-up-Ökosystem, wie die neue Normalität für sie aussieht – und wie sie die vergangenen Wochen überstanden haben. Heute berichtet Christian Wiens, Gründer und Vorstandschef von Getsafe. Das Start-up aus Heidelberg entwickelt digitale Versicherungsprodukte. Zuvor waren in dieser Serie bereits die Start-ups Coachhub sowie Inhubber zu Gast.

Herr Wiens, was wird nach der Krise anders bleiben?
Die Menschen lernen jetzt, dass sie Versicherungen digital abschließen können – genauso wie sie Waren bei Amazon, Lebensmittel bei Lieferando oder Reisen bei Kayak bestellen. Warum sollten sie wieder umsteigen, wenn sie erkannt haben, wie einfach es ist, den gesamten Versicherungsschutz auf ihren Smartphones zu verwalten? Gleichzeitig hat die Versicherungsbranche die Notwendigkeit der Digitalisierung zu lange auf die leichte Schulter genommen. Viele Makler- und Vermittlerbüros traf die Pandemie unvorbereitet und sie suchen derzeit händeringend nach digitalen Beratungsalternativen. Auch Versicherer haben selbst fünf Jahre nach der ersten Insurtech-Welle noch keine zufriedenstellende Antwort auf die neuen Kundenbedürfnisse und setzen weiterhin auf traditionelle Vertriebsstrukturen und papierbasierte Prozesse. Es fehlt die Technologie, aber auch die Erfahrung, digital zu beraten und zu verkaufen. Für Getsafe wird sich wenig verändern. Die Krise hat uns drei Rekordmonate beschert und gibt dem ganzen Thema „Digitales versichern” neuen Rückenwind.

Was haben Sie in den Wochen der Kontaktbeschränkungen über sich und das Unternehmen gelernt?
Dass wir ein unheimlich eingespieltes Team sind ich mich 100-prozentig auf alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlassen kann. Bei uns lief auch schon vorher alles über Vertrauensarbeitszeit und klare Zielvereinbarungen – das hat sich bewährt. So konnten wir alle von einem Tag auf den anderen ins Homeoffice ziehen. Das lief reibungslos – auch dank unserer IT-Infrastruktur. Persönlich habe ich gelernt, dass ich besser arbeite, wenn ich Menschen um mich herum habe. Das war schon im Studium so und hatte mit in den letzten Wochen wirklich gefehlt.

Wie haben Sie die Krise gespürt? Wie waren die letzten Wochen?
Es ist fast schon erschreckend, dass der Covid19-Ausbruch für uns quasi nichts verändert hat. Wir haben seit Beginn der Kontaktsperre, also seit Mitte März, mehr als 25 neue Mitarbeiter/innen eingestellt – komplett remote natürlich. Das ist ein Viertel des gesamten Teams. März, April und Mai waren drei Rekordmonate bei uns, in denen wir nicht nur zwei neue Produkte eingeführt, sondern auch unsere Marke komplett überarbeitet haben. Die letzten Wochen waren also im Grunde wie die Wochen vor Corona – nur im Homeoffice.

Und wie geht es jetzt?
Es geht weiter wie bisher – die Teams kehren schrittweise ins Büro zurück, und nach dem Tischkickern muss desinfiziert werden. An unseren Wachstumszielen halten wir fest. Einzig die Expansion in weitere europäische Länder haben wir etwas nach hinten geschoben, weil das unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen schwierig ist.

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