In unserer Sommerserie blicken Akteure des Start-up-Ökosystems auf die vergangenen Wochen zurück – und auf das, was nach der Krise bleibt. Heute berichtet Leonid Mechik von Inhubber.

Viele Jahre ging es für viele deutsche Start-ups aufwärts, dann kam die Corona-Krise. Nach langen Wochen mit Kontaktbeschränkungen, lahmgelegten Betrieben und Homeoffice können Gründer, Mitarbeiter und Investoren nun wieder loslegen und müssen sich erneut sortieren. In unserer Sommerserie fragen wir Akteure aus dem Start-up-Ökosystem, wie die neue Normalität für sie aussieht – und wie sie die vergangenen Wochen überstanden haben.

In der zweiten Folge ist Leonid Mechik (re. im Bild) dran, Mitgründer und Geschäftsführer von Inhubber. Das 2019 gegründete Legaltech-Start-up geht auf ein Forschungsprojekt an der Humboldt-Universität in Berlin zurück und entwickelt Software für das Vertragsmanagement und die digitale Signatur.

Was wird anders bleiben?
Während der Corona-Zeit hatten wir einen Kundenzuwachs von über 200 Prozent. Jeder möchte online arbeiten und Verträge mit einem Klick unterschreiben. Normalerweise bieten wir Lösungen für mittelgroße Unternehmen mit 50 bis 500 Mitarbeitern an, aber während Corona haben wir zwei Konzerne als Betatester gewonnen. Solche Unternehmen können sich Oracle und SAP leisten, aber wir vermuten, dass sie sich eine leicht erlernbare Lösung wünschen, die jeder Mitarbeiter nutzen kann, ohne Wochen mit dem Erlernen von Hunderten von Funktionen verbringen zu müssen. Unsere Software hat eine Einarbeitungszeit von weniger als 30 Minuten.

Wie hat Inhubber auf die Krise reagiert?
Als kleines Start-up hatte für uns das Wohlergehen unserer Mitarbeiter oberste Priorität. Es war eine praktische Überlegung, denn wenn einer von uns krank würde, wäre das ganze Unternehmen gefährdet. Als eines der ersten Unternehmen in Berlin führten wir das dauerhafte Home-Office ein. Und wir haben es nie bereut. Wir erlebten sogar eine erhöhte Motivation und konnten drei zusätzliche Software-Experten einstellen. Doch nach zwei Monaten wollten einige unserer Mitarbeiter vom Büro aus arbeiten. So ist es nun eine freiwillige Entscheidung jedes einzelnen Mitarbeiters, von wo aus er arbeiten möchte. Ich persönlich als CEO konnte meine Produktivität um 50 Prozent steigern, weil ich die meisten Besprechungen online erledige und keine Zeit in Staus verschwende.

Wie haben Sie dagegen die Krise gespürt?
Als Start-up sind wir sehr verwundbar durch solche Ereignisse wie Corona. Wir können uns nicht vollständig auf unsere Einnahmen verlassen und brauchen zusätzliches Kapital. Vor Corona erhielten wir einen F&E-Zuschuss von der Investitionsbank Berlin (IBB). Und im März hatten wir bereits drei Investoren für unsere erste Finanzierungsrunde an Bord. Aber alle Investoren entschieden sich, in der Corona-Zeit nicht zu investieren. Das war ein Schock für unser Team. Wir waren deprimiert. Besonders, weil einige unserer Mitarbeiter noch dabei waren, ihre EU-Arbeitserlaubnis zu erhalten. Wir dachten, die Arbeit der letzten zwei Jahre wäre verloren und wir würden mit Krediten dastehen.

Wie läuft es heute – und was erwarten Sie für die nähere Zukunft?
Im letzten Moment wurden wir durch zusätzliche F&E-Ressourcen und Corona-Soforthilfe gerettet. Und jetzt haben wir nach zwei Monaten der stressigen Investorensuche rund 60 Prozent unserer Investitionsrunde abgedeckt. Nach dem Stress der ersten beiden Corona-Monate glaube ich, dass unser Führungsteam in der Lage sein wird, jede Belastung zu überwinden. Wir haben gelernt, mit ungeplanten Krisen umzugehen und sind jetzt viel stärker. Wir machen uns zwar Sorgen über die zweite Coronavirus-Welle, aber wir sind optimistisch und freuen uns über jeden neuen Kunden.

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