Das Wohnungsportal Nestpick kommt nach Deutschland. Mit der Idee, Mietraum zu vermitteln, trifft das Start-up aber auf Konkurrenz – und umgeht ein Gesetz.

Erst im Dezember ist Rocket Internet bei dem Wohnungsportal eingestiegen, nun treibt der Inkubator dessen Expansion voran. Am Dienstag ist mit Nestpick ein Onlineportal in Deutschland gestartet, das Mieter und Vermieter zusammenbringen will. Das Angebot sieht sich vor allem als Hilfe für internationale Studenten, die für einen kurzen Zeitraum eine Wohnung suchen.

Bisher ist das Start-up nur in Berlin und München aktiv, weitere Städte sollen folgen. Die Idee: Den Mietvertrag ohne Besichtigung online abschließen. Bislang werden die Zwischenmieten allerdings für höchstens zwei Jahre angeboten. Nach Angaben von Nestpick könnte das Start-up langfristig aber auch unbefristete Angebote in das Portfolio aufnehmen.

„Transparent agieren“

Neu ist die Idee der Plattform für Studentenbuden nicht: Schon seit Jahren gibt es für angehende Akademiker die Möglichkeit, über Plattformen wie wg-gesucht.de oder studenten-wohnung.de an bezahlbaren Wohnraum zu kommen. Nestpick will sich einerseits dadurch absetzen, dass keine Besichtigung notwendig ist, und andererseits mit Qualität punkten: Durch Fotos der Wohnräume will Nestpick es für den Mieter ermöglichen, auch online einen Eindruck der Wohnung zu bekommen.

Nestpick schickt zudem auch Fotografen in die Wohnungen, um festzustellen, ob es diese auch tatsächlich gibt. „Auf dem Markt gibt es viele Akteure, die krumme Dinge drehen“, sagt Gründer Fabian Dudek zu WirtschaftsWoche Gründer. „Wir wollen transparent agieren.“

Während die Konkurrenzseiten oft kostenlos sind, finanziert sich Nestpick über eine Kommission. Als Grundlage dafür nimmt das Unternehmen den Mietpreis. Ein Mieter muss bei Vertragsabschluss ein Viertel davon für die Vermittlung via Nestpick einkalkulieren – neben der normalen Miete und Kaution. Rechnet man mit einer Miete von beispielsweise 400 Euro, muss ein Mieter 100 Euro an Nestpick zahlen. Für den Vermieter gibt es keine zusätzlichen Kosten.

Darauf angesprochen, dass eine solche Summe gerade für Studenten viel Geld ist, sagt Dudek: „Wenn wir viele Kunden gewinnen, können wir die Kommission sukzessive verringen.“ Dass der Vermieter nichts zahlen muss, begründet der Nestpick-Gründer mit der guten Marktsituation: „Der Vermieter würde seine Wohnung so oder so anbieten und vermieten“, so Dudek. Für einen Wohnungsbesitzer sei das Portal daher nur interessant, wenn es für ihn kostenfrei bleibe.

„Wir sind keine Makler“

Die Kommission, die Nestpick von potenziellen Mietern verlangt, erinnert an Maklerprovisionen. Bisher war es so, dass viele Vermieter einen Makler bestellten, den am Ende der Mieter zahlen musste. Ein neues Gesetz verbietet diese Praxis seit Anfang 2015: Der Mieter muss nur zahlen, wenn er den Makler selbst bestellt hat. Nestpick sieht sich selbst nicht in Gefahr, dieses Gesetz durch seine Kommission zu brechen. „Wir gelten nicht als Makler. Unsere Nutzer zahlen für unsere Plattform“, sagt Dudek.

Nestpick will bald auch in weitere Städte wie Hamburg, Köln, Frankfurt und Heidelberg gehen. Wie bei vielen seiner Start-ups setzt Rocket Internet auch bei dem Wohnungsportal auf die schnelle Eroberung neuer Märkte: Seit Dezember ist das in den Niederlanden gegründete Unternehmen in ingesamt fünf neue Länder gegangen – Deutschland, England, Frankreich, Spanien und Italien. In diesem Jahr sollen noch weitere Märkte, unter anderem die Schweiz und Österreich, hinzukommen.