Das Geld kommt je zur Hälfte von öffentlich-rechtlichen Geldinstituten und von Unternehmen. Das Volumen soll noch auf bis zu 60 Millionen Euro steigen.

30 Millionen Euro sind schon im Topf: Mit Neoteq Ventures geht in Nordrhein-Westfalen ein neuer Wagniskapitalfonds an den Start, der schwerpunktmäßig im Rheinland investieren soll. Die sechs Millionen Einwohner umfassende Region sei hochinnovativ und könne einen starken Mittelstand vorweisen, sagte NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) heute bei einer Pressekonferenz. Viele Gründer wanderten aber nach Berlin ab: „Unser Ziel ist es, möglichst viele wieder ins Rheinland umzulenken.“ Dabei sei die finanzielle Unterstützung von Start-ups in frühen Phasen ein wesentliches Instrument.

Initiiert hat den neuen Fonds, der seinen Sitz in Köln hat, die Förderbank des Bundeslandes. Gleichzeitig ist die NRW Bank auch der größte Geldgeber. Weitere Ankerinvestoren sind die Stadtsparkasse Düsseldorf, die Sparkasse Köln Bonn und die Kreissparkasse Köln. Die öffentlich-rechtlichen Institute stellen zusammen die Hälfte des aktuellen Fonds-Volumen. Die andere Hälfte kommt von privaten Geldgebern. Beteiligt sind die Dax-Konzerne Deutsche Telekom und Henkel, Mittelständler wie der in Köln ansässige Rohrleitungsbauer Weber sowie mehrere Business Angels und Unternehmer – darunter Solarworld-Gründer Frank Asbeck.

Beteiligung in frühen Phasen

Die Corona-Krise habe das Ende 2019 begonnene Fundraising erschwert, sagte Simon Schneider, der den Fonds zusammen mit B. J. Park leitet. Beide bringen viel Erfahrung als Start-up-Investoren mit: Schneider war zuletzt bei der Maschmeyer Group tätig, zuvor lange beim High-Tech Gründerfonds (HTGF). B.J. Park war unter anderem Finanzchef von Dumont Ventures. Nach dem ersten Closing könne man nun mit Investitionen beginnen. Parallel sollen aber noch weitere Geldgeber gefunden werden. Erklärtes Ziel ist es, das Fonds-Volumen bis zum Sommer kommenden Jahres auf 40 bis 60 Millionen zu steigern. Das Geld soll über einen Zeitraum von zehn Jahren investiert werden.

Investieren will Neoteq Ventures vor allem in frühen Unternehmensphasen – also in Seed-Finanzierungsrunden sowie Series-A-Runden. In einzelne Start-up werden zwischen 250.000 und vier Millionen Euro fließen, kündigte Park an. „Wir werden gezielt ein Trendscouting betreiben, um interessante Start-ups in der Region zu identifizieren.“ Einen Branchenfokus habe der Fonds bewusst nicht. Zu erwarten sie aber, dass vor allem technologiegetriebene B2B-Start-ups in Frage kämen. Die Investments sollen nicht mit besonderen Auflagen verbunden sein. So verpflichten sich die Gründer beispielsweise nicht dazu, ihren Firmensitz im Rheinland zu halten. Nur in Ausnahmen will der Fonds in Start-ups außerhalb der Region investieren.

Chance auf weitere Regionalfonds

Vorbild für Neoteq Ventures ist der Gründerfonds Ruhr, den die NRW Bank 2017 zusammen mit dem Unternehmens-Netzwerk Initiativkreis Ruhr gegründet hatte. Die Förderbank ist zudem an weiteren regionalen Wagniskapital-Fonds beteiligt, etwa in Aachen und Ostwestfalen-Lippe. Weitere regionale Fonds seien denkbar, sagte Eckhard Forst, Vorstandsvorsitzender der NRW Bank. „Wenn wir eine gute Chance sehen, werden wir sie ergreifen“.

Rückendeckung der Landesregierung hat die Förderbank. Das Bundesland hat sich auf die Fahnen geschrieben, attraktiver für Start-ups zu werden und hat dafür in den vergangenen Jahren einige Weichen gestellt. So startete Mitte 2018 eine Art Grundeinkommen für Gründer. 150 Millionen Euro fließen zudem in eine Start-up-Initiative an Hochschulen. Zusammen mit Unternehmerverbänden, den Handels- und Handwerkskammern sowie dem Bundesverband Deutsche Startups wurde im vergangenen Jahr eine „neue Gründerzeit“ ausgerufen.