Nach einer frisch abgeschlossenen Finanzierungsrunde will das Start-up das Angebot rund um sein kostenloses Konto ausbauen. Eine Expansion über die Grenzen hinweg ist aber bislang nicht geplant.

Wer an die Schweiz denkt, dem fallen in aller Regel drei Begriffe ein: Berge, Schokolade und Banken. Das Alpenland gilt seit jeher als wichtiger Finanzstandort – darum kann sich ein Start-up, das von sich selbst sagt, es wolle „das alltägliche Banking in der Schweiz aufmischen“, großer Aufmerksamkeit sicher sein. Im August 2017 ging das von Jörg Sandrock, Simon Youssef, Julius Kirscheneder, Michael Noorlander und Patric Ammann gegründete FinTech Neon mit dem Versprechen an den Start, ein kundenfreundlicheres und günstigeres Banking-Angebot als die bisherigen Anbieter zu bieten. Seitdem konnte das Start-up eine Reihe von Investoren von sich überzeugen.

Wie Neon bekannt gab, hat es jüngst eine Series-A-Finanzierungsrunde abgeschlossen. Angeführt wird die Investition von dem Schweizer Medien-Unternehmen Tamedia. Der Verlag kündigte an, das junge Unternehmen nicht nur finanziell, sondern auch mit seiner Expertise in Sachen Vermarktung und Entwicklung von digitalen Plattformen unterstützen will.

Ausbau des Produkts geplant

Zu den weiteren Geldgebern gehören der Wagniskapitalgeber Backbone Ventures aus Zürich und verschiedene Altinvestoren, darunter Schweizer Business Angels wie Doodle-Gründer Myke Naef und Students.ch-Gründer Adrian Bührer. Die Neon-Gründer traten auch in der Schweizer Version der TV-Show „Die Höhle der Löwen auf“, wo sie zwei der Juroren von einem Investment in Höhe von 250.000 Franken überzeugen konnten. 

Das neu eingeworbene Geld soll in den Ausbau des Produktes fließen, so Co-Gründer Julius Kirscheneder gegenüber WirtschaftsWoche Gründer: „Dabei legen wir den Fokus vor allem auf die Ergänzung von weiteren Funktionen wie E-Rechnungen und Self-Services wie Sperren und Entsperren.“ Eine Expansion steht laut Kirscheneder vorerst nicht auf dem Plan: „Wir sehen uns als originär Schweizer Neobankenlösung, denn der Markt hat einen sehr hohen Nachholbedarf und ist auf Grund der eigenen Kundenbedürfnisse und Regulierung nicht einfach mit einem Standardprodukt aus dem Ausland zu versorgen.” In der Schweiz ist auch der deutsche Konkurrent N26 mit einem eigenen Angebot unterwegs. Auch die Ausweitung des Teams sei aktuell nicht im Fokus: „Wir legen Wert auf schlanke Kostenstrukturen und wollen darum das aktuell 15-köpfige Team an den beiden Standorten Zürich und München, wo ein Teil des Entwicklerteams sitzt, nicht bedeutend erweitern.“

Identifizierung per Videochat

Neon arbeitet mit der Hypothekarbank Lenzburg AG zusammen und stellt den Nutzern ein einlagengesichertes Bankkonto, eine Mastercard und eine App für den digitalen Alltag bereit. Um sich von anderen Schweizer Anbietern abzuheben, verzichtet das Start-up auf eine Grundgebühr. Geld verdient das Unternehmen ähnlich wie andere Kontoanbieter mit Transaktionsgebühren sowie Gebühren für Value-Add-Dienstleistungen. Neon verspricht eine unkomplizierte und papierlose Anmeldung und eine Identifizierung per Videochat – ein Vorgang, der nicht länger als zehn Minuten dauere.

Auf die Beschwerden von Nutzern, dass der Anmeldeprozess erheblich langsamer vonstatten gehe, reagiert Julius Kirscheneder gelassen. Er könne den Frust nachvollziehen, aber es handele sich dabei um eine Ausnahmesituation: „Tatsächlich hatten wir hatten beim Launch und bei zwei weiteren grossen Aktionen einen so hohen Andrang, dass die Kontoeröffnung mehrere Tage gedauert hat”, sagt er. „In Einzelfällen, etwa bei fehlenden Dokumenten, auch länger. Im Normalfall reichen die benannten zehn Minuten aber völlig aus.“