Das Start-up will mit seinem digitalen Logbuch Prozesse an Bord von Schiffen verbessern. Neben Reedern sind Gutachter eine wichtige Zielgruppe. 

Es sind dicke Bretter, die Otto Klemke bohren muss: Zusammen mit seinem Vater Ingo, seinem Bruder Moritz sowie seinem Studienfreund Sven Hamer hat er vor einem Jahr NautilusLog gegründet. Das Hamburger Start-up will mit Hilfe einer Smartphone-App Prozesse in der Schifffahrt digitalisieren – und erfuhr zunächst Gegenwind. „Als wir die Idee 2016 entwickelt haben, waren Start-ups in der Branche noch ungewohnt“, sagt Otto Klemke. „Viele Reeder fanden uns zwar interessant, wollten aber, dass wir uns erst einmal bei anderen beweisen.“

Inzwischen können die Gründer neben ersten Kunden auch mehrere Preise vorweisen – NautilusLog belegte beispielsweise beim Start-up-Wettbewerb des vom Fraunhofer IML veranstalteten Zukunftskongress Logistik im vergangenen Jahr den ersten Platz. Auch ein Geldgeber ist nun an Bord gegangen: Der vom Schifffahrtsunternehmen Zeaborn initiierte Frühphaseninvestor TecPier teilte heute mit, das Start-up mit einem sechsstelligen Betrag zu unterstützen. „Die entwickelte Technologie von NautilusLog trägt dazu bei, Abläufe einfacher, compliant und smarter zu gestalten“, lässt sich TecPier-Mitgründer Johannes Winkler zitieren.

Aufgaben für die Crew

Die App des Start-ups ist eine Art digitales Logbuch. Positionen, Kurswechsel und ähnliches werden automatisch erfasst. Die Besonderheit: Aus den Daten generiert die App Aufgaben, die an Bord erledigt werden müssen. Steuert das Schiff beispielsweise auf eine Umweltzone zu, weist die Software darauf hin, dass der Treibstoff von Schweröl auf Diesel umgestellt werden muss. Die Protokolle stehen auch dem Reeder an Land zur Verfügung, der so einen genaueren Überblick über seine Flotte bekommt.

Darüber hinaus zielt das aktuell 13-köpfige Familienunternehmen auf Zertifizierungsunternehmen und Prüfstellen. Seit Dezember gibt es eine Funktion, die Gutachter dabei unterstützt, Gefahrstoffe an Bord zu erfassen – notwendig wird das aufgrund neuer gesetzlicher Vorgaben. „Mit der App reduzieren wir den zeitlichen und finanziellen Aufwand drastisch“, sagt Klemke. Über 500 Schiffe seien bereits erfasst worden. „Über die Gutachter entdecken viele Reedereien auch die weiteren Funktionen unserer Software.“

Vernetzung schreitet voran

NautilusLog setzt auf ein Freemium-Modell. Das bedeutet, das Grundfunktionen der App kostenlos sind, für erweiterte Features wie die auomatiche Erstellung von Berichten ist aber ein Abo erforderlich. Mithilfe der Finanzspritze will das Start-up nun neue Funktionen entwickeln. Geplant seien beispielsweise Schnittstellen zu den Bordcomputer-Systemen sowie die Anbindung von Seehäfen, die dank der präzisen Positionsbestimmung der Schiffe die Belegung ihrer Liegeplätze besser planen könnten. „Wir verstehen unsere Software als Prozess-Tool, von dem ganz verschiedene Stakeholder in der Branche profitieren können“, sagt Klemke.

Die Gründer treiben auch die Vernetzung mit anderen Start-ups voran. So ist NautilusLog Teil des „Digital Hub Logistics Hamburg“. Vertreten in dem Netzwerk ist auch Closelink, ein Marktplatz für Schmiermittel. Das Start-up hatte kürzlich erst frisches Kapital bekommen, darunter ebenfalls von TecPier. NautilusLog ist die zweite Beteiligung des Frühphaseninvestors.