Das bezieht sich auf Hilfe von außen. Was kann jeder für sich selbst tun? Sie empfehlen in Ihrem Buch zum Beispiel, laufen zu gehen oder Musik zu hören. Ist das für jeden geeignet?

Grundsätzlich finde ich es wichtig, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Dafür sollte man sich ruhig fixe Termine in seinen Kalender eintragen. Ich weiß, dass das besonders schwierig ist, wenn es bereits brennt. In so einer Situation möchten Selbstständige auch noch die letzte Kraft in das Unternehmen stecken – aber gerade dann sind Auszeiten besonders wichtig, um wieder aufzutanken. Ich glaube tatsächlich, dass Sport und Musik für fast alle Menschen funktionieren.

Was raten Sie anderen in Ihrer Situation?

Sich frühzeitig Hilfe zu suchen. Es lohnt sich auch, sich nach einem Scheitern wirklich Zeit zu nehmen. Ich dachte damals: „Hinfallen, aufstehen und weitermachen“. Viele haben einen hohen Anspruch an sich und erwarten, schnell aus Fehlern zu lernen und danach doppelt so erfolgreich zu sein, indem sie sich doppelt anstrengen. Das ist fatal. Viel wertvoller ist es, sich die Erlaubnis zu geben, sich Zeit zu nehmen. Es ist wichtig, dass man erst einmal liegenbleiben darf, nachdem man hingefallen ist.

Brauchen wir eine andere Kultur des Scheiterns?

Ja. Scheitern wird in Zukunft noch viel mehr zum Thema werden. Früher war die Berufswelt viel konservativer: In der Regel fing man in einem Unternehmen an zu arbeiten – und blieb dann dort bis zur Rente. Meine Eltern haben zum Beispiel nicht verstehen können, wieso ich früher alle zwei Jahre die Agentur gewechselt habe. Es wird in Zukunft noch viel mehr Veränderungen im Berufsleben geben und auch immer mehr Start-Ups – dazu gehört aber auch, dass Menschen mit ihren Ideen scheitern. Scheitern wird zur Normalität werden. Wir müssen begreifen, dass es danach weitergeht.