Ihr Vorwort trägt die Überschrift „Scheitern ist geil“. Das Buch liest sich aber eher so, als sei das Scheitern vor allem belastend gewesen. Inwiefern ist ein Scheitern auch eine Chance?

Ich habe dabei extrem viel über mich selbst gelernt. Man ist nach so einer Erfahrung nicht mehr derselbe Mensch wie vorher. Es hilft dabei, sich neu aufzustellen. Wenn man ohnehin am Boden ist, hat man die Chance, völlig neue Jobvorstellungen zu entwickeln.

Was haben Sie über sich selbst herausgefunden?

Ich habe bei meiner Selbstständigkeit schnell gemerkt, dass mich die finanziellen Verpflichtungen belastet haben. Wenn man Mitarbeiter und ein Büro hat, entsteht extrem viel Druck und Verantwortung. Ich habe mich bewusst entschieden, dass ich das nicht mehr möchte. Ich habe das weitgehend umsetzen können und bin jetzt in einem ganz kleinen Rahmen selbstständig. Ich arbeite von zu Hause aus. Ich habe auch keine Mitarbeiter mehr und ich bin viel flexibler. Ich kann meine Texte schreiben, wann immer ich will. Das hilft mir auch als Mutter.

Ist es denn immer möglich, dabei Druck zu vermeiden? Wie schützen Sie sich heute selbst?

Ein bisschen Druck gibt es immer einmal. Aber ich kenne heute meine Grenzen und kann besser priorisieren als früher. Immer klappt das natürlich nicht. Aber viel besser als früher. Ich hatte anfangs zum Beispiel Angst, einen Auftrag abzusagen, weil ich Sorge hatte, nicht mehr angefragt zu werden. Ich habe aber gelernt, dass ich auch Nein sagen kann – und trotzdem wieder Aufträge bekomme.

Was können Selbstständige tun, wenn sie spüren, dass sie an Grenzen kommen? Oder anders gefragt: Wie scheitern kluge Frauen?

Es ist zunächst einmal ein ganz großer Schritt, das für sich selbst überhaupt zu erkennen und es sich einzugestehen. Das hat bei mir enorm lange gedauert. Es ist sehr gefährlich, wenn man auf Dauer über seine eigenen Grenzen geht. Dann droht ein Burnout. Es ist aber eine Eigenart fast jedes Unternehmers, bis zuletzt zu kämpfen. Viel sinnvoller ist es, sich einzugestehen, dass man an seine Grenzen kommt, und sich rechtzeitig Hilfe zu suchen, wenn man nicht weiterkommt.

Und wenn es bereits brennt und nichts mehr geht?

Dann ist es besonders wichtig, aktiv herauszugehen und sich Unterstützung zu suchen. Ich spreche dabei nicht nur von beruflicher Beratung. Meistens brennt es dann in verschiedenen Bereichen. Alleine kommt man nur schwer aus so einer Krise heraus. Ich habe beispielsweise eine Psychotherapie gemacht, die mir sehr geholfen hat.

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