Dabei klingt es erst einmal nach einer guten Idee, sich ein Unternehmen mit jemandem aufzubauen, den man einschätzen kann und den man mag.

Ich würde das nicht grundsätzlich verteufeln. Die Schwierigkeit ist aber, dass sich die geschäftliche und die private Ebene miteinander vermischen. Man ist emotional eng miteinander verbunden – das kann Vorteile haben, aber auch Nachteile.

Zum Beispiel?

Oft ist es schwierig, Konflikte anzusprechen. Man denkt sich, dass sich alles schon regeln wird. Und dann bekommt eine von beiden vielleicht ein Kind und kann nicht mehr so viel arbeiten, während die andere abends länger bleibt. Vielleicht ist eine von beiden bei den Kunden beliebter – oder die andere hat das Gefühl, dass die unbeliebten Aufgaben immer an ihr hängenbleiben. Und dann fängt man doch irgendwann an, aufzurechnen.

Wie kann man mit so etwas umgehen?

Wichtig ist, dass man nicht zu viel hinunterschluckt, sondern offen miteinander umgeht. Dazu gehört es, Kritik nicht persönlich zu nehmen, sondern auf der beruflichen Ebene zu bleiben. Zugleich ist genau das schwierig.

Was ist bei Ihnen passiert? An welchen Stellen gab es Probleme?

Ich habe oft die Wochenenden durchgearbeitet und regelmäßig nachts um elf Uhr noch Kundengespräche geführt. In einem solchen Leben ist eigentlich für nichts anderes mehr Platz, nicht für die Partnerschaft, nicht für Freunde und auch nicht für ein Kind. Ich hatte aber mit Ende 20 einen Kinderwunsch und habe ihm nachgegeben. Wir wurden in unserer Agentur beide schwanger und haben ein Kind bekommen.

Und das war ein Fehler?

Ich glaube, ich war total naiv und habe gedacht, dass ich mit Kind einfach so weitermachen kann wie bisher. Das wird einem oft vorgegaukelt, funktioniert aber leider nicht. Es ist kaum möglich, eine erfolgreiche, selbstständige Unternehmerin zu sein und zugleich eine treusorgende Mutter, die die ganze Zeit voll für ihr Kind da ist. Auf einer Seite muss man Abstriche machen. Das war mir vorher überhaupt nicht bewusst. Ich habe versucht, einfach so weiterzumachen, bis es nicht mehr ging.

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