Die Berliner erweitern ihre Finanzierungsrunde um 152 Millionen Euro. Die aktuelle Kommunikation zeigt: Das Fintech setzt auf Ausbauen statt Aufräumen.

Mehr Produkte, mehr Länder, mehr Geld: Die 2013 gestartete Digitalbank N26 setzt ihren ambitionierten Wachstumskurs fort. Dabei wird sie von den bestehenden Investoren gestützt. Die stellen dem Institut in der Erweiterung einer Finanzierungsrunde noch einmal umgerechnet knapp 152 Millionen Euro zur Verfügung. In der ersten Tranche Anfang des Jahres waren bereits etwa 270 Millionen Euro zugesagt worden.

Die aktuelle Erweiterung soll noch einmal die Internationalisierung des Instituts ankurbeln. „Das zusätzliche Investment wird es uns ermöglichen, unsere globale Expansion zu beschleunigen“, lässt sich N26-Mitgründer Maximilian Tayenthal in einer aktuellen Pressemeldung zitieren. In der vergangenen Woche hatte die Smartphone-Bank ihr Geschäft in den USA gestartet. Brasilien soll als nächstes neues Land folgen.

In den 24 europäischen Märkten, in denen das Institut bereits aktiv ist, seien aktuell 3,5 Millionen Kunden registriert, heißt es von N26. In den kommenden Jahren soll diese Zahl weltweit auf 50 Millionen Kunden anwachsen – das wären mehr als doppelt so viele Kunden wie heute bei der Deutschen Bank. Noch frisst der Aufbau des Geschäfts jedoch viel Geld: Im letzten öffentlich zugänglichen Jahresbericht für 2017 weist die Gesellschaft hinter N26 einen Jahresfehlbetrag von 32 Millionen Euro aus. Frisch renovierte Premium-Konten sollen in Zukunft dabei helfen, die Umsätze zu erhöhen.

Rüffel von der Aufsicht

Zudem steht die Bank in Deutschland aktuell unter verschärfter Beobachtung der Finanzaufsicht Bafin. Die hatte Mitte Mai öffentlich angeordnet, dass N26 „angemessene interne Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen und Allgemeine Sorgfaltspflichten einzuhalten“ müsse – ein offensiver Schritt für die sonst zurückhaltenden Aufseher. Hintergrund waren unter anderem Probleme bei der Verifizierung von Kunden. In der aktuellen Pressemitteilung geht N26 nicht auf diese Schwierigkeiten ein. In einem Satz ist die Rede davon, „weiterhin hohe Investitionen in das organisatorische und strukturelle Wachstum“ der Bank zu stecken.

Die Investoren glauben jedoch unbeirrt an das Potenzial der Smartphone-Bank. Zum aktuellen Kreis der Finanziers gehören unter anderem ein Staatsfonds aus Singapur, das chinesische Tech-Unternehmen Tencent, der Investment-Arm der Allianz sowie Risikokapitalgeber wie Insight Ventures, Valar Ventures und Earlybird. Die zusätzliche Finanzspritze orientierte sich an einer Fintech-Bewertung von umgerechnet 3,1 Milliarden Euro. Damit dürfte N26 aktuell das am höchsten bewertete Start-up in Deutschland sein.