Im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche treten heute die Gründer von Musicube, David Hoga und Agnes Chung, an. Ihr Start-up durchbricht die Filterblase bei Streamingdiensten. Wie urteilt Investor Peter Hornik?

Agnes, David, ihr habt eine Minute im Fahrstuhl mit einem möglichen Geldgeber. Wie lautet euer Elevator Pitch?
Weltweit streamen 340 Millionen Menschen Musik, doch die meisten befinden sich in einer Art Filterblase. 80 Prozent der verfügbaren Musik wird praktisch nie gehört. Unser Algorithmus sprengt die Blase, indem er die Musik bis ins Detail analysiert und sortiert. Ein Nutzer kann dann nach einer Stimme suchen, nach Instrumenten, danach, ob die Musik traurig oder aggressiv, schnell oder langsam sein soll. Streamingdienste etwa können die Funktion in Apps integrieren und so das Nutzererlebnis verbessern.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Wir haben beide Musikwissenschaften und Informatik studiert, danach zusammen bei einem Dienstleister für die Musikindustrie gearbeitet, der auf jeder Menge Musikdaten saß, von denen der Hörer nichts hatte. Da dachten wir, den Datenschatz heben wir.

Und wie verdient ihr damit Geld?
Unsere Kunden sind Streamingdienste und Musiklabels. Die zahlen eine Grundgebühr und dann eine Gebühr je Suche. Sony Music etwa nutzt das, um das eigene Musikarchiv durchsuchen zu können, etwa wenn es neue Musiktrends gibt.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d) …Wir sind frei und kreativ, behalten dabei aber unser Ziel im Auge. Etwa, wenn wir neue Anwendungsfälle für den Algorithmus suchen.

Wie sieht es mit Vielfalt in eurem Unternehmen aus?
Wir sind ziemlich international, haben Entwickler, Musiker und Datenwissenschaftler an Bord. Agnes ist aber derzeit noch die einzige Frau.

Was war euer größter Rückschlag?
Anfangs sind wir oft bei Investoren abgeblitzt, weil wir das Einmaleins nicht beherrschten, wie man sich als Start-up verkauft. Nach einem Coaching beim Inkubator von NextMedia Hamburg hat das aber ganz gut geklappt.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Dann ist die Suchfunktion als Musik-Apps nicht mehr weg zu denken.

Fakten zum Start-up

Kunden: drei, darunter Sony Music
Finanzierung: Privatinvestoren, Wagniskapital in Vorbereitung
Gründung: 2019 in Hamburg
Mitarbeiter: 10

Würde der Profi investieren?

Idee: 3/5
Geschäftsmodell: 2/5
Timing: 4/5

Urteil: „Ich sehe Musicube eher als Feature, nicht als kostenpflichtiges Produkt. Wenn Technologie und Team herausragend sind, ein früher Übernahmekandidat.“
Peter Hornik, Gründer und Chef des Düsseldorfer Start-up-Inkubators 1st Mover

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